Unsere Tipps zum Streckenwandern/Fernwandern mit älteren Kindern und Jugendlichen

Wir sind schon immer gerne wandernd unterwegs gewesen, auch als unsere Kinder noch klein waren. Doch zugegebenermaßen war das Wandern in den jungen Jahren unserer Elternschaft immer eine Tagesbeschäftigung, die selten über diesen Rahmen hinausging. Das Wandern mit (kleinen) Kindern, welches über mehrere Tage geht, verlangt eine ausgefeilte Logistik bezüglich des Transports der Ausrüstung, was bei zwei Kindern im etwa gleichen Alter für uns zum Ausschlusskriterium eines solchen Vorhabens wurde. Natürlich – wird jetzt sicher der eine oder andere Leser widersprechen – ist das Streckenwandern auch mit kleinen Kindern möglich, nämlich dann, wenn man grundsätzlich über feste Unterkünfte, wie Hütten ect., wandert. Die Erfahrung von Hüttentouren haben wir jedoch schon ohne Kinder nicht wirklich genossen, weshalb dies für uns mit kleinen Kindern eigentlich nie infrage kam.

Streckenwandern mit Kindern

In diesem Artikel geht es demnach um das Wandern über mehrere Tage mit Campingausrüstung und Kindern bzw. Jugendlichen, die in der Lage sind einen Teil dieser Ausrüstung auch zu tragen. Hiermit erklärt es sich schon von selbst, dass das Streckenwandern erst mit Kindern fortgeschrittenen Alters möglich ist. Unsere erste mehrtägige Wanderung mit unseren beiden Kindern plante ich somit, als diese 11 und 14 Jahre alt waren. Die zehntägige Streckenwanderung auf der Wanderinsel schlechthin, Korsika, wurde für uns der Einstieg in das Abenteuer Streckenwandern mit Kindern, und bereitete uns tatsächlich so viel Freude, dass weitere Streckenwanderungen in den kommenden Jahren folgten.

In sieben Wanderjahren haben wir verschiedenste Erfahrungen sammeln können, und gelernt, wie das Streckenwandern mit älteren Kindern und Jugendlichen nicht nur logistisch gelingt, sondern wie auch alle Spaß am Wandern haben. Unsere Tipps für das Streckenwandern mit älteren Kindern und Jugendlichen sind somit nicht nur praktischer Art, sondern beinhalten auch Ratschläge wie man seine Kinder und Jugendlichen unterwegs motiviert und ihnen die Freude am Wandern näherbringt.

Das richtige Alter zum Einstieg in das Streckenwandern mit Kindern

Diese Frage lässt sich pauschal kaum beantworten und hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. die klimatischen Gegebenheiten im Wandergebiet, die tägliche Streckenlänge mit Höhenmeter, die Versorgungsmöglichkeiten unterwegs und vor allem die körperliche Entwicklung des Kindes. Der entscheidende Knackpunkt allerdings beim Wandern mit dem Nachwuchs ist der Gepäcktransport. Möchte man über mehrere Tage mit Campingausrüstung wandern, muss klar sein, dass nicht nur die Eltern das ganze Gepäck tragen, sondern dass die Kinder in der Lage sind, möglichst vieles, oder noch besser, ihre komplette Ausrüstung selbst zu tragen.

In der Wachstumsphase sollten Kinder und Jugendliche nach ärztlichen Empfehlungen bei Wanderungen über mehrere Stunden nur 10 % ihres eigenen Körpergewichts tragen. Das durchschnittliche Gewicht eines 10jährigen Kindes beträgt zwischen 35 und 45 Kilogramm. Infolge dessen dürften Kinder in diesem Alter maximal 4,5 Kilogramm über mehrere Stunden auf dem Rücken tragen. Somit wird schnell klar, dass eine Streckenwanderung mit jüngeren Kindern nur dann möglich ist, wenn die Erwachsenen die Ausrüstung des Nachwuchses mittragen. Aber auch mit älteren Kindern und Jugendlichen werden sich diese strengen ärztlichen Vorgaben kaum einhalten lassen, weshalb die Eltern hier in der Eigenverantwortung bleiben, was sie ihren Kindern zumuten.

Wir haben mit dem Streckenwandern begonnen als unsere Tochter 11 Jahre alt war. Sie musste damals nur einen Teil ihrer Ausrüstung tragen und kam damit (inkl. einer kleinen Flasche Wasser) auf ein Rucksackgewicht von ca. 5 Kilogramm.

Zehn Jahre ist, denke ich, ein gutes Alter für den Einstieg in das Streckenwandern mit Kindern, wenn man nicht bereit ist (oder körperlich in der Lage) einen Großteil (oder die komplette) Ausrüstung für sein Kind auf einer mehrtägigen Wandertour zu tragen.

Wandern mit Kindern
Bei unserer ersten Wanderung mit Kindern betrug das reine Rucksackgewicht (ohne Wasserflasche) unseres Sohnes 8 kg und das unserer Tochter 4,5 kg

Die Ausrüstung für Kinder und Jugendliche auf einer Streckenwanderung

Alleine über dieses Thema könnte man einen ganzen Artikel schreiben, was ich aber nicht für sinnvoll erachte. In meinen Reiseberichten zu unseren Streckenwanderungen gebe ich konkrete Ausrüstungstipps. Was man unterwegs braucht entscheidet maßgeblich das Wandergebiet und seine klimatischen Gegebenheiten, weshalb pauschale Ausrüstungstipps hier wenig sinnvoll sind. Wichtig bei der Ausrüstung (Rucksack, Schlafsack, Isomatte, Wanderschuhe ect.) für den Nachwuchs ist, dass diese ebenso hochwertig ist wie die der Erwachsenen. Im Outdoor-Fachhandel gibt es hochwertige Wanderrucksäcke auch schon für Kinder und Jugendliche. Wichtig bei einem Wanderrucksack für Kindern ist aus meiner Sicht, dass sie (egal welche Größe) ein gutes Tragesystem mit gepolsterten Beckengurt haben, da gerade der Beckengurt bei Kindern oft ein „einschneidendes“ Erlebnis sein kann. Bei dem was wir für unsere Kinder eingepackt haben, lag der Fokus immer auf dem Gesamtgewicht, welches 15 % des Körpergewichts des Trägers möglichst nicht überschreiten sollte. Deshalb gab es für die Kinder nicht (oder kaum) mehr Kleidung als für die Erwachsenen. Spiele (Ausnahme: das eigene Handy) gab es auf einer Streckenwanderung für unsere Kinder und Jugendlichen überhaupt nicht. Mit den Jahren haben wir viele Teile unserer Ausrüstung auf UL (ultraleicht) umgestellt, was bei den Kindern bzw. Jugendlichen aufgrund des schlechten Kosten-Nutzen-Faktors nicht zu realisieren ist. Trotzdem haben wir es immer geschafft, dass unsere Kinder und Jugendlichen mit ihrem gesamten Rucksackgewicht weit unter 10 Kilogramm geblieben sind.

Wandern mit Jugendlichen
Ein gut sitzender Rucksack ist gerade bei Kindern und Jugendlichen enorm wichtig

Alle Ausrüstungsgegenstände für jede Person werden bei uns vor der Wanderung einzeln gewogen, damit man ein Gefühl für das Gewicht bekommt und sieht wo man Einsparungen vornehmen kann.

Natürlich ist der Umfang der Ausrüstung auch davon abhängig wo man gedenkt zu wandern. In nordischen Ländern und im Gebirge benötigt man deutlich mehr (und andere) Kleidung als bei einer Sommerwanderung oder in südlichen, regenarmen Gebieten.

Hier einmal eine Auflistung aller Ausrüstungsgegenstände, die unsere Tochter bei einer  Sommerwanderung im Alter von 13 Jahren trug.

Ausrüstung unserer 13jährigen Tochter bei einer Sommerwanderung

Rucksackinhalt
1 Paar Wandersocken26 g
1 Schlafhose kurz34 g
1 Garnitur Unterwäsche46 g
1 Schlaf-T-Shirt90 g
1 Unterhemd64 g
1 T-Shirt84 g
1 Rock106 g
1 Legging112 g
1 Wander-Bluse 150 g
1 Kappe55 g
1 Fleecejacke200 g
1 Schlauchtuch31 g
1 Regenjacke320 g
1 Bikini120 g
1 Duschtuch 168 g
1 Mini-Handtuch31 g
1 Beutel f. Kleidung45 g
1 Paar Flip Flops153 g
Isomatte (Therm-a-Rest neoair xlite)350 g
Rucksack (Osprey)1.500 g
Schlafsack (Vaude women)1.635 g
Gesamtgewicht des Rucksacks5.320 g

Rucksack für Kinder

Das geeignete Wandergebiet für eine Streckenwanderung mit Kindern und Jugendlichen

Ein geeignetes Wandergebiet für Familien bietet aus meiner Sicht folgende Voraussetzungen:

  • Es ist nicht zu weit von der Zivilisation entfernt (max. ein Tagesmarsch von Siedlungen oder Wanderhütten entfernt)
  • Die Lebensmittelnachbeschaffung ist spätestens  am dritten Tag möglich
  • Die Wasserversorgung ist täglich möglich
  • Das Gebiet ist für Rettungskräfte zugänglich
  • Der Wanderweg kann über öffentliche Verkehrsmittel (oder per Anhalter) verlassen werden

Dies sind für mich die Grundvoraussetzungen, die ein Wanderweg besitzen sollte, wenn man mit Kindern bzw. Jugendlichen unterwegs ist.

Wandern in der Hardangervidda

Die Planung einer Streckenwanderung mit Kindern oder Jugendlichen

Ich plane unsere Streckenwanderungen eigentlich immer sehr genau. Selbst wenn wir dann unterwegs nicht immer diesen ausgefeilten Plänen folgen. Es läuft sich einfach entspannter, wenn man die Etappenlänge, die Höhenmeter, die Wegebeschaffenheit oder mögliche Pausenplätze in Form von Hütten oder Dörfern entlang des Weges kennt. In Bezug auf die tägliche Wasserversorgung ist eine genaue Planung aus meiner Sicht sogar lebensnotwendig. Bezüglich der täglichen Streckenlänge orientiert man sich immer am schwächsten Glied in der Kette, was in der Regel das jüngste Kind ist. Wie viele Tageskilometer ein Kind (bzw. Jugendlicher) in der Lage ist zu Laufen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: die körperliche Grundkondition, die Höhenmeter der Tagesetappe, die Wegebeschaffenheit, das Klima und Wetter, die Motivation, das Rucksackgewicht, die tägliche Kalorienzufuhr und die Übernachtungsart.

Oft testet man zuhause wie viele Kilometer das eigene Kind in der Lage ist zu laufen. Dabei muss man allerdings bedenken, dass es einen Unterschied macht, ob man mit oder ohne Gepäck läuft, oder dass das Wetter im Urlaubsland ein gänzlich anderes ist als zuhause, dass die Kalorienzufuhr auf einer mehrtägigen Streckenwanderung wesentlich höher sein muss als bei einer Tageswanderung, und dass das Draußensein (im Zelt übernachten) über mehrere Tage die körperliche Fitness erheblich strapaziert. Somit sollte man für eine Streckenwanderung nicht nur das Gebiet und seine klimatischen Bedingungen bei der täglichen Streckenlänge berücksichtigen, sondern auch diese anderen Faktoren im Blick haben und die Streckenlänge lieber ein wenig kürzer ansetzen, als bei Tageswanderungen zuhause.

Pausenplatz auf der Rota Vicentina
Unterwegs findet man immer wieder unerwartet wunderschöne Pausenplätze

Alles eine Frage der Motivation

Ist die Streckenwanderung gut geplant, wissen die Kinder und Jugendlichen schon vor der Reise was auf sie zukommt. Grundsätzliche Entscheidungen, wie die Wanderung verläuft, werden vor der Reise getroffen und unterwegs nicht immer wieder neu diskutiert. Das gibt den Kindern zum einen Sicherheit, nimmt ihnen aber andererseits auch den Wind aus den Segeln, wenn sie unterwegs beginnen zu meutern. Der Nachwuchs merkt auf einer Streckenwanderung abseits der Zivilisation sehr schnell, dass er keine Wahl hat als weiter zu laufen, da es schlichtweg keine Alternativen gibt. Bei einer Streckenwanderung werden die einzelnen Familienmitglieder zu einem eingeschweißten Team, bei dem jeder einen Teil der Verantwortung für ein gutes Gelingen trägt. Das stärkt das Selbstbewusstsein des Nachwuchses, da er gefordert ist zu zeigen, was er leisten kann. Hin und wieder sollten die Eltern auch einmal den schwächeren Part einnehmen und die Rolle des Leaders dem Nachwuchs überlassen. Das ist ebenfalls ein enormer Motivationsschub für die Jugendlichen.

Oft reichen für die tägliche Motivation ein gutes und langes Gespräch zwischen Elternteil und Kind während der Wanderung, ein landschaftlicher Höhepunkt, der die vorherigen Anstrengungen vergessen lässt, oder unverhoffte kulinarische Genüsse, wenn man zufällig an einer Pizzeria oder Eisdiele vorbeikommt.

Ältere Kinder und Jugendliche, die bei der Planung beteiligt sind, können eine Streckenwanderung als ihr eigenes Projekt betrachten und benötigen daher eigentlich gar keine Motivation. Nach einer ersten Streckenwanderung wissen sie auch ganz genau was auf sie zukommt, wenn es wieder heißt „wir gehen wandern“. Sie können selbst entscheiden, ob sie dabei sein oder lieber zuhause bei den Großeltern bleiben wollen.

Ein Hoch auf die Insel Korsika
Mit einer großen Portion Motivation erreicht man jeden Gipfel

Unsere Streckenwanderungen/Fernwanderungen der letzten Jahre

Korsika mit Kindern
Streckenwandern mit Kindern und Jugendlichen macht einfach Spaß

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