Fernwanderwege in Deutschland – Der Eselsweg im Spessart / Etappe 1 & 2

Der längste und bekannteste Fernwanderweg durch den Spessart ist der ca. 111 Kilometer lange Eselsweg. Er führt von Schlüchtern, im nördlichen Spessart gelegen, bis in den Südspessart nach Großheubach bei Miltenberg und stellt somit eine Nord-Süd-Verbindung dar.

Dieser vom Spessartbund markierte und gepflegte Fernwanderweg folgt einer historischen Handelsroute, die bis weit ins frühe Mittelalter zurückreicht. Eine erste urkundliche Erwähnung des „Eselspfades“ gibt es bereits 1339. Es wird jedoch vermutet, dass dieser Weg durch den Spessart schon Jahrtausende zuvor als Handelsroute bekannt war und rege genutzt wurde. Seit wann diese Route durch den Spessart tatsächlich existiert, ist bis heute nicht hinreichend geklärt. Auch der Zweck dieses Weges, der sich auf einem Höhenkamm durch den Spessart schlängelt, ist bis heute noch nicht ausreichend erforscht. Gesichert ist jedoch, dass der Name Eselsweg von den Salzkarawanen herrührt, die im Mittelalter das Salz der Salinen beim heutigen Bad Orb und Fulda auf Eseln nach Miltenberg an den Main trugen.

Beim Eselsweg handelt es sich um einen Höhenweg mit gemäßigten Steigungen und Gefällstrecken, der auf der west-ost-trennenden Wasserscheide des Spessarts verläuft. Somit bewegt er sich fast durchgehend auf einer Höhe von 400 – 500 m und berührt auf seiner 111 km langen Strecke nach Süden selten eine Ortschaft. Das bedeutet, dass man für Verpflegung und Übernachtung den Eselsweg verlassen muss. Da die Ortschaften alle im Tal liegen (ca. 1 bis 3 Kilometer vom Wanderweg entfernt), kommt man bei 6 Etappen auf eine Gesamtstrecke von ca. 130 Kilometer.

Wie schon erwähnt betreut der Spessartbund den historischen Eselsweg, und das macht er – wie wir finden – richtig gut. Die Markierung – ein schwarzes E auf weißem Grund – ist so gut wie lückenlos, womit sich eine Karte oder ein GPS eigentlich erübrigt. Lediglich vom Etappenziel zum Wanderweg zurück ist hier und da eine Karte oder GPS hilfreich.

Wir sind den Eselsweg in 5 Tagesetappen gelaufen, möchten ihn jedoch aufgrund der angenehmeren Etappenlängen für 6 Tage empfehlen und beschreiben.

Was die Übernachtungen betrifft, so können wir keine näheren Angaben dazu machen, und auch keine Empfehlungen aussprechen. Wir sind den Eselsweg mit unserer Biwakausrüstung gelaufen, haben den Weg  also nicht verlassen. Dennoch habe ich recherchiert in welchen Ortschaften es Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie und Lebensmittelläden gibt.

Im Prinzip ist es egal, ob man den Eselsweg im Süden oder im Norden beginnt. Wir sind ihn – wie die Esel von damals – von Norden nach Süden gelaufen, und möchten den Eselsweg auch in dieser Richtung beschreiben.

1. Etappe Schlüchtern – Mernes 23 km

Im wunderschön gelegenen Schlüchtern (Südosthessen) beginnt die Markierung des Eselsweges im Tal des Flusses Kinzig. Über den Stadtpark geht es durch ein Wohngebiet und bald zügig, jedoch gemäßigt, bergan. Lange kann man Schlüchtern noch in der Ferne sehen, bevor es in den dichten Spessartwald geht.

Gleich zu Beginn sei gesagt, dass die Etappen 1 und 2 die häufigsten Blicke ins Tal und über die schönen Spessarthöhen zulassen. Hier im nördlichen Teil des Spessarts ist der Wald noch am häufigsten durch landwirtschaftliche Flächen unterbrochen. Somit gehören diese beiden Etappen für mich persönlich zu den schönsten, was die landschaftlichen Ausblicke betrifft.

Auf der 1. Etappe sind die Aussichten noch zahlreich

Im Wald angekommen wird der Weg zunehmend steiler. Vom Startpunkt in Schlüchtern, was auf 200 Metern Höhe liegt, klettert man an diesem Tag auf eine maximale Höhe von 510 Metern. Nach ca. 3 Kilometern erreicht man die kleine Ortschaft Hohenzell. Munter in gemäßigtem Auf und Ab führt der Eselsweg ins weiterhin 4 Kilometer entfernte Bellings. Immer noch auf Feldwegen mit wunderschöner Aussicht über den Spessart geht es nun merklich stärker bergan. Nach neun Kilometern kommt man direkt am Freizeitpark Steinau vorbei, ein sehr schöner, und in der Gegend beliebter, Freizeitpark für kleinere Kinder, mit vielen Tieren, Abenteuerspielplätzen und einigen kleinen Fahrgeschäften. Gleich dahinter passiert man einen Kletterpark, für die größeren Kinder, die für den Freizeitpark wohl schon zu alt sind.

Mit dem Kletterpark erreicht man wieder den Spessartwald, den man auf einem flachen Stück durchquert. Dahinter schließen sich wieder Felder und Weideland an. Von der Seidenröther Warte (Aussichtsturm) genießt man einen herrlichen Blick in den nördlichen Spessart. Man streift die kleine Ortschaft Seidenroth über einen geteerten Wirtschaftsweg, der immer noch bergan führt.  Zurück im Wald hat man nach 14 Kilometern nun endlich die 510 Höhenmeter erreicht. Der Eselsweg wird nun flacher, wenn nicht gar eben. Man passiert eine Golfanlage, von der man immer noch einen Blick ins Tal genießt, bevor der Eselsweg auf dieser Etappe zum letzten Mal im Spessartwald verschwindet und diesen bis Mernes auch nicht wieder verlässt. Nach 21 Kilometern am „Merneser Heiligen“ verlässt man den Eselsweg über die Spessart-Höhenstraße und läuft die letzten beiden Kilometer ins Tal zum Etappenziel Mernes. Gasthaus mit Pension und Privatunterkünfte sind vorhanden.

2. Etappe Mernes – Flörsbachtal 18 km

Von Mernes aus muss man am Morgen fast 200 Höhenmeter überwinden, bevor man wieder auf dem Eselsweg ist. Der zugleich folgende Markberg ist auf dieser Etappe mit über 500 m die zweithöchste Erhebung. Der Eselsweg führt auf der 2. Etappe sehr häufig durch dichten Wald mit schmalen Waldpfaden, die sehr angenehm zu laufen sind. Der Schotteranteil ist zwar auf dem gesamten Eselsweg recht hoch, dennoch gibt es immer wieder Ausnahmen in Form von märchenhaften Waldwegen.

Bezaubernde Buchenwälder im Hochspessart

Auf den ersten 10 Kilometer verlässt der Eselsweg auf dieser Etappe den Wald nicht. Erst bei Lettgenbrunn führt der Eselsweg vom Höhenzug zurück ins Tal und bietet dabei traumhafte Ausblicke auf Wiesen und Felder, welche die kleine Ortschaft umschließen. Lettgenbrunn ist ideal für eine Mittagsrast. Es gibt eine Gaststätte und ein Hotel.  An einem Lebensmittelautomat kann man Getränke und Grundnahrungsmittel (Brot, Wurst, Käse, Eier usw.) kaufen.

Auf dem Weg nach Lettgenbrunn

Hinter Lettgenbrunn führt der Eselsweg wieder auf seine kontinuierliche Höhe von 500 m. Auf der Höhenstraße passiert man hier bezaubernde Buchenwälder, die besonders im Frühling in einem wunderschönen hellgrün leuchten. Den Spessartwald verlässt der Eselsweg bis zum Etappenziel Flörsbachtal nicht mehr. Bei Kilometer 16 verlässt man den Eselsweg über einen schmalen Nebenweg entlang der Hauptstraße ins Dorf Flörsbachtal. Hier gibt es wieder mehrere Übernachtungsmöglichkeiten und eine Bäckerei.

Das Etappenziel Flörsbachtal im Blick

Fazit der ersten beiden Etappen des Eselsweges

Zwei sehr schöne Etappen mit den schönsten Ausblicken, die der Eselsweg zu bieten hat. Forst- und Waldwege wechseln sich munter ab, obwohl der Anteil befestigter Wege (auch Asphalt) auf diesen beiden Etappen noch sehr hoch ist. Dennoch für mich zwei wunderschöne Etappen mit angenehm geringen Höhenunterschieden.

Weitere Informationen über die einzelnen Etappen, eine gute Übersichtskarte mit Höhenprofil und GPS-Daten für die komplette Strecke des Eselswegs findet man auf der Internetseite Wanderbares Deutschland des Deutschen Wanderverbands GmbH. 

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Hier geht es zu den Etappen 3 und 4 → 

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weitere schöne Wanderungen findest du auf unserer interaktiven Karte →

1 Kommentar zu „Fernwanderwege in Deutschland – Der Eselsweg im Spessart / Etappe 1 & 2“

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