Wie Babys und (Klein-)kinder auf Reisen besser schlafen – unsere 10 Tipps gegen schlaflose Nächte und lästigen Jetlag

Ja, ja, der Schlaf ist uns Erwachsenen heilig. Was kleine Kinder niemals bewusst einfordern würden, raubt vor allem jungen Eltern den wohlverdienten Schlaf. Der regelmäßige Schlaf ist – neben der Nahrungsaufnahme – eines der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse und für die gesunde Entwicklung eines Kindes außerordentlich wichtig.

Deshalb ist gerade dieses Thema auch der größte Angstfaktor reisender Eltern, die mit Babys und Kleinkindern die Welt entdecken wollen. Auch ich habe mich über viele Jahre sehr intensiv mit dem „Schlafen meiner Kinder auf Reisen“ beschäftigt und dieses Thema in meinem Reisehandbuch ausführlich behandelt. Nach den vielen Reisejahren mit unseren mittlerweile jugendlichen Kindern bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass dieses Thema nur in den ersten Lebensjahren der Kinder, also im Baby und Kleinkind-Alter, von Bedeutung ist. Danach sind reisende Kinder abgehärtet und haben für sich Strategien entwickelt, wie sie unterwegs zur Ruhe kommen. Natürlich können die Eltern auch noch über das Baby und Kleinkindalter hinaus Mittel und Wege für die Kinder finden, wenn es einmal schwierig mit dem Schlafen ist. Heute möchte ich euch einmal erzählen, wie unsere Anfänge aussahen und mit welchen Gedanken wir uns damals beschäftigt haben. Daneben möchte ich euch 10 Tipps mit auf den Weg geben, wie ihr euren Babys und Kleinkinder unterwegs das Schlafen erleichtern könnt. Eine meiner größten Sorgen vor der Weltreise war, dass meine Kinder ihren regelmäßigen und benötigten Schlaf in der fremden Umgebung nicht finden könnten. Unsere kühne Planung sah vor, dass wir während unserer fast einjährigen Reise fast ausschließlich im Zelt übernachten würden, und das mit einer gerade Zweijährigen und einem Vierjähren. Recht gewagt, wie meine Mutter damals dieses Unternehmen kommentierte.

Schlafen geht in Daddys Pullover einfach besser

Ehrlich gesagt kamen mir Bedenken erst kurz vor der großen Reise, waren unsere Kinder, was das Zelten betrifft, doch schon alte Hasen. Unser Erstgeborener sammelte seine ersten Zelterfahrungen auf einer Radtour im zarten Alter von sechs Monaten und die Kleine bereits zehn Wochen nach der Geburt. So kurz vor dem Start ins Ungewisse half mir das natürlich nicht weiter. Es dauerte leider etliche Wochen, bis ich endlich so entspannt war, wie meine Kinder schon nach den ersten Tagen der Reise. Und natürlich haben sich meine Ängste, die Kinder könnten auf dieser langen Reise nicht regelmäßig schlafen, nicht bestätigt. Es gab in den vielen Monaten nur zwei Situationen – ausgenommen die Tage für das Überwinden des Jetlags –, in denen meine Kinder nicht schlafen konnten. Und ja, natürlich gingen sie für ihr Alter abends niemals »rechtzeitig« ins Bett, doch dafür schliefen sie am Morgen länger oder auch mal am Nachmittag. Auf unserer langen Reise (11 Monate) haben sich meine Kinder eine tägliche Schlafdauer angeeignet, die in der Nacht zwischen zehn und zwölf Stunden pendelte und am Tag zwischen einer und drei Stunden. Somit haben sie in Summe wesentlich mehr Stunden täglich geschlafen als jemals zu Hause.

10 Tipps für das bessere Einschlafen und Durchschlafen von Babys und Kleinkinder auf Reisen

1. Keep cool – als Eltern ruhig und souverän bleiben

Traumstunde in Traumumgebung

Ein Kind spürt sehr deutlich, wenn Eltern unsicher sind oder innerlich panisch werden. Und das wirkt sich leider auch auf das Schlafen der Kleinen aus. Je ruhiger und gelassener man auf die Schlafschwierigkeiten der Kinder reagiert, um so schneller werden sie sich beruhigen. Selbst wenn die Kinder unterwegs länger schreien, ist das kein Drama. Übertriebene Rücksichtnahme gegenüber den Menschen in der Umgebung sollte man jedenfalls nicht haben und seine Kinder ruhig einmal schreien lassen. Man schadet bei dieser Art der falsch verstandenen Rücksichtnahme in erster Linie sich selbst und seinen Kindern. Spätestens nach einer oder zwei Nächten wird das Kind nicht mehr die Kraft haben die halbe Nacht durchzuschreien. So lange müssen Reisende in der näheren Umgebung eben Geduld haben oder eben weiterziehen.

2. Das Einschlafen mit wechselnden Schlafplätzen trainieren

Das Einschlafen unter wechselnden äußeren Bedingungen kann man trainieren – und zwar zuhause. Wer sein Kind immer unter den gleichen Voraussetzungen zur Ruhe bettet, der wird unterwegs keine große Freude mit dem abendlichen Zubettgehritual haben. Wenn das Baby oder Kleinkind schon zuhause mal im Schlafzimmer der Eltern, auf einer Luftmatratze im Kinderzimmer oder bei Oma auf dem Sofa einschlafen darf, so ist es besser für die unterschiedlichsten Betten und Schlafräume unterwegs trainiert.

3. Ganz viel Liebe und Zuneigung gegen die Nachtwache der Kleinen

Ehrlich gesagt kam es wirklich selten vor, dass unsere Kinder die Nacht zum Tag machten. Wenn es aber doch einmal geschah, dass sie nachts aufwachten und nicht mehr schlafen wollten, haben wir sie eigentlich immer sehr schnell wieder beruhigen können. Wichtig war unseren Kindern der Körperkontakt zu einem Elternteil. Meist haben wir die Kleinen leise in den Schlaf zurückgesungen oder ihnen Geschichten ins Ohr geflüstert. Als meine Kinder noch gestillt wurden, war für sie das nächtliche Stillen die beste Wieder-Einschlaf-Hilfe. Mit einem Fläschchen Wasser oder (ungesüßten) Tee nuckelten sie sich ebenfalls mühelos in den Schlaf zurück.

4. Das Wo einschlafen nicht so eng sehen

Natürlich weiß ich, dass Rituale wichtig sind, und eine vertraute Schlafumgebung das Ein- und Durchschlafen der Kleinen erleichtert. Das war für uns einer der Hauptgründe, dass wir als Schlafplatz während unserer langen Reise das Zelt gewählt haben. Der Schlafplatz war somit allabendlich gleich. Wir konnten die Erfahrung machen, dass unsere Kinder immer dann Schwierigkeiten hatten, wenn wir in einem Zimmer übernachteten. Und gerade in solchen Situationen half es den Kleinen, wenn wir sie nicht restriktiv ins Bett legten und sie ihrem Schicksal überließen, sondern wir selbst mit ins Bett krochen oder die Kleinen auf unserem Schoss einschlafen durften. Manchmal schlummerten unsere Kinder auch im Aufenthaltsraum des Hostels auf einem Sofa ein. Who cares – wo sie einschlafen. Das wichtigste ist, dass ein Elternteil immer bei ihnen ist, wenn sie des Nachts wider erwarten aufwachen.

5. Tagesaktivitäten nach dem natürlichen Schlafrhythmus des Kindes legen

Wir versuchten auf unseren Reisen stets unsere täglichen Aktivitäten nach dem Schlafrhythmus der Kinder auszurichten, was uns eigentlich immer sehr gut gelang. Der Erfolg dieser Methode gab uns recht, indem wir unterwegs sehr ausgeglichene Kinder hatten. Raubten wir ihnen dagegen den Mittagsschlaf oder ließen sie untertags ungewöhnlich lange schlafen, gab es an solchen Tagen immer leichte Schwierigkeiten mit dem abendlichen Zubettgehritual.

Der Tagschlaf ist wichtig – für alle

6. Flexible Schlafenszeiten erleichtern die Reise und das Schlafen der Kleinen

Genauso wichtig wie der tägliche Schlafrhythmus ist aber auch die Flexibilität im Umgang mit dem Schlaf der Kinder in Ausnahmesituationen. Auch wenn das Kleine eigentlich immer zur gleichen Zeit ins Bett geht, so ist es unterwegs keineswegs verwerflich diese Uhrzeit nicht immer auf die Minute genau einzuhalten. Nach einem anstrengenden Tag wollten meine Kinder auch schon mal früher ins Bett, und wenn der Abend turbulent war und sie vor Aufregung einfach nicht schlafen konnten, habe ich die Kinder nie gezwungen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Bett zu sein. Mit dieser Flexibilität sind wir immer gut gereist.

Tipps gegen den lästigen Jetlag

7. Nachtflüge sind top

Wir wählten für unsere Reise ans andere Ende der Welt einen Nachtflug und würden es immer wieder so machen. Nicht nur, dass der Flug somit entspannter war, auch der Rhythmus unserer Kinder wurde dadurch erst einmal nicht gestört. In Australien angekommen begann dann sofort die Arbeit gegen den leidigen Jetlag, aber wir hatten zumindest eine annehmbare Anreise gehabt.

8. Die Reise an einem Ort ruhig beginnen

Aus meiner Sicht ist es wichtig die ersten Tage sehr langsam und ruhig angehen zu lassen. Eine feste Unterkunft oder Ort kann enorm helfen zur Ruhe zu kommen. Keinesfalls würde ich sofort losziehen ins Abenteuer Reise. Auch auf ansprengende Unternehmungen würde ich komplett verzichten. Wir lagen nach unserer Ankunft in Sydney erst einmal vier Tage am Strand, bevor wir es wagten uns in der näheren Umgebung umzusehen. Rückblickend die richtige Entscheidung.

Seightseeing kann sooo ermüdend sein!

9. Den Tagesrhythmus des Urlaubslandes sofort annehmen

Das ist für mich der wichtigste Tipp, den ich euch mitgeben kann. Nehmt den Tagesrhythmus des Urlaubsortes sofort an. Natürlich ist das mit kleinen Kindern sehr schwierig, aber es zahlt sich wirklich aus. Am ersten Tag haben wir mit der morgendlichen Ankunft in Sydney selbstverständlich noch ein paar Stunden geschlafen, unsere Kinder jedoch am frühen Nachmittag wieder geweckt. Nach der ersten durchwachsenen Nacht sind wir schon um fünf Uhr in der Frühe aufgestanden und haben versucht den Tag bis zum Abend ohne lange Schlafphasen der Kinder zu gestalten. Mit dieser Methode war der Jetlag nach vier Tagen bzw. Nächten so gut wie überstanden.

10. Raus vor die Türe – Tageslicht und frische Luft begünstigen den Schlaf

Keine neue Weisheit, aber es funktioniert immer. Tageslicht und frische Luft sind der Garant dafür, dass nicht nur die Kinder am Abend besser einschlafen. Für die Überwindung des Jetlag spielt das Tageslicht eine wesentliche Rolle, und das sage nicht ich, sondern zahlreiche Schlafexperten immer wieder in diversen Publikationen. Wir können das aus unserer Erfahrung nur noch einmal bestätigen und legen euch daher ans Herz, sich in den ersten Tagen einer Reise möglichst lange „Outdoor“ aufzuhalten.

Die Gute-Nacht-Geschichte kann auch am Strand erzählt werden.

Das waren sie unsere 10 Tipps für das bessere Ein- und Durchschlafen von Babys und Kleinkinder auf Reisen. Welche Erfahrungen konntet ihr mit euren kleinen Kindern machen. Wir freuen uns, wenn ihr darüber berichtet. 

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