Wandern in Schweden – Der Fulufjället Nationalpark in Dalarna

Der Fulufjället Nationalpark

Ein weiteres Wanderziel unserer Schwedenreise ist der Fulufjället Nationalpark. Dieser sehr abgelegene Naturpark liegt im Regierungsbezirk Dalarna an der norwegischen Grenze ca. 450 Kilometer nordwestlich von Stockholm. Wir besuchen ihn auf unserer Rückreise aus dem Jämtland kommend, da wir auf der Inlandsroute zurück in den Süden fahren.

Eingang zum Fulufjället NationalparkDas „Fulufjälls“ ist ein Fjällgebirge an der norwegisch – schwedischen Grenze, das schon seit den siebziger Jahren unter Naturschutz steht und seit 2002 den Status eines Nationalparks besitzt. Der Fulufjället Nationalpark ist mit einer Größe von knapp 400 km² der größte schwedische Nationalpark des Südens (nur in Lappland gibt es noch größere Naturschutzgebiete) und gleichzeitig der südlichste Fjällnationalpark Schwedens.

Die Natur in den abgelegenen Bergregionen an der Grenze zu Norwegen konnte sich hier in der Vergangenheit vom Menschen relativ unbeeinflusst entwickeln. Kahle Bergtundra und üppig bewaldete Täler prägen das kontrastreiche Bild des Fulufjället Nationalpark. Auch die Fauna des Nationalparks ist sehr artenreich. Neben dem Elch und Braunbär leben hier Luchse, Biber, Fischotter und weitere Tierarten, welche in diesem abgelegenen Gebiet eine Heimat gefunden haben. Einzig die Rentiere, die es in diesen nördlichen Gefilden eigentlich gibt, fehlen im Fulufjället Nationalpark, weshalb die von Rentieren bevorzugten Flechten hier ganz besonders üppig wachsen können. Das Wappentier des Fulufjället Nationalpark ist der Unglückshäher, den meine Tochter gleich am Eingang des Parks, am Naturum, mit Fleischwurst (ja, richtig gelesen) füttern darf.

Anreise zum Fulufjället Nationalpark

Wie schon erwähnt liegt der Nationalpark sehr abgelegen und ohne ein eigenes Auto gibt es keine Möglichkeit zum Nationalpark zu gelangen. Es besteht keine Busverbindung zwischen der nächstgelegenen Gemeine Särna und dem Nationalpark. Die Gemeinde Särna liegt ca. 25 km östlich des Nationalparks an der ohnehin schon schwach befahrenen Staatsstraße Nr. 70. Auf dieser Straße fährt man ca. 4 km in nördlicher Richtung und biegt dann links Richtung Mörkret ab. Hinter dem Naturcampingplatz Mörkret biegt man wieder links ab. Nach weiteren 3 Kilometern erreicht man den großen Parkplatz am Nordeingang des Nationalparks. Dieser ist praktisch der Haupteingang des Fulufjället Nationalparks an dem die touristischen Einrichtungen wie das Naturum, eine Gaststätte und öffentliche Toiletten liegen. Weitere Zufahrtswege im Osten und Süden des Nationalparks sind meist nur kleine Schotterstraßen, die man mit der Lupe suchen muss und die keine öffentlichen Straßen darstellen. Parkbuchten sind aber sowohl in der Mitte bei Göljån und Morbäckssätern, sowie im Süden an der norwegischen Grenze bei Stornbron vorhanden.

Der Fulufjället Nationalpark
Der Fulufjället Nationalpark liegt gefühlt am Ende der Welt

Die Hauptattraktionen des Fulufjället Nationalpark

Das Aushängeschild des Fulufjället Nationalpark ist der 93 Meter hohe Wasserfall namens Njupeskär, welcher mit einer freien Fallhöhe von 70 Metern der höchste Wasserfall Schwedens ist. Er liegt im Nordosten des Nationalparks unweit des Haupteingangs.

Eine weitere Sehenswürdigkeit des Fulufjällets ist die Fichte Old Tjikko. Sie gilt mit seinem genetischen Material, welches über 9500 Jahre alt ist, als ältester Baum der Welt.

Der Wasserfall Njupeskärs
Schwedens höchster Wasserfall – der Njupeskärs
Der älteste Baum der Welt
Der älteste Baum der Welt – der Old Tjikko

Wanderwege im Fulufjället Nationalpark

Der Fulufjället Nationalpark bietet über 140 km markierte Wanderwege in verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden. Der längste und bekannteste Wanderweg, welcher den Nationalpark von Norden nach Süden durchquert, ist der südliche Kungsleden. Über den Nationalpark verstreut liegen insgesamt 15 Berghütten, welche Selbstversorgerhütten sind und überwiegend von Langstreckenwanderern zum Übernachten genutzt werden. Des Weiteren gibt es im Nationalpark mehrere Shelter (offene Unterstände) entlang der Wanderwege und zwischen den geschlossenen Schutzhütten. Die meisten Wanderwege sind als Rundwanderungen angelegt, die zu den einzelnen Parkplätzen im Osten des Parks wieder zurückführen.

Wanderwege im Fulufjället NP
Im Fulufjället gibt es über 140 Kilometer Wanderwege

Unsere Wanderung zum Wasserfall Njupeskär und Old Tjikko

Vom Haupteingang des Nationalparks führen drei, teilweise identisch verlaufende, Rundwanderwege in die Nähe und zum Wasserfall Njupeskär. Der kürzeste ist der rot markierte und 2 Kilometer lange Lavskrikeleden Rundweg, der rollstuhlgerecht ausgebaut ist. Wir laufen zunächst auf dem gelb markierten Njupeskärsleden bis zum ersten Aussichtspunkt zum Wasserfall Njupeskär. Der Wanderweg führt hier durch märchenhafte Naturwälder entlang des Flusses Njupån. Anschließend wechseln wir auf den orange markierten Jaktfalksleden, der nun steil bergan führt in die höher gelegene, baumlose Tundra. Auch wenn der Anstieg von hier aus nur etwas mehr als 120 Meter entspricht, so ist der Weg dorthin als anspruchsvoll zu bezeichnen mit einem unzugänglichen Gelände aus hohen Steinblöcken und dazwischen feuchtmorastigen, steinigen Wegen, die bei Regen sehr glitschig sein können. Vom Jaktfalksleden wechseln wir auf den lila markierten Wanderweg zum Old Tjikko, der auf das Fjellplateau des Wasserfalls hinaufführt. Vom Plateau aus genießt man einen herrlichen Blick über das fast baumlose Fjäll und die Berge rund um das Fulufjällgebirge. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher zur Plattform am Fuße des Wasserfalls und laufen schließlich auf dem gelb markierten Njupeskärsleden zurück zum Besucherparkplatz. Am Ende haben wir bei dieser doch recht anstrengenden Wanderung 7 Kilometer zurückgelegt und dabei insgesamt 180 Höhenmeter überwunden.

Reiche Flora im Tal
Reiche Flora am Fluss Njupån
Bohlenwege rund um den Wasserfall
Bohlenwege am Wasserfall Njupeskär

Unser Geheimtipp im Fulufjället Nationalpark – das Göljån-Tal

Alte Wegweiser im Göljån-Tal
Standhafter Wegweiser im Göljån-Tal

Unsere zweite Wanderung an diesem Tag starten wir am abseits gelegenen Parkeingang Göljån, den man ab Mörkret über eine Schotterstraße erreicht (der Weg ist ausgeschildert). Wo sich am Haupteingang des Fulufjället noch viele Touristen tummeln, so sind hier draußen überhaupt keine Besucher mehr zu sehen. Das Gebiet um den Fluss Göljån war im Jahr 1997 von der größten Flutkatastrophe betroffen, die Schweden jemals erlebt hat, als Ende August innerhalb von 24 Stunden bis zu 400 mm Regen fielen. Das ist die höchste je in Skandinavien gemessene Niederschlagsmenge. Der Fluss schwoll in kürzester Zeit auf das 500-fache an, was eine bis zu 6 Meter hohe Flutwelle auslöste, die zu Bergstürzen und Überschwemmungen in bisher nie dagewesenem Ausmaß führte. Noch heute kann man die riesigen Flächen mit großen Totholzmengen bestaunen, die durch diese Katastrophe entstanden sind und die sich heute zu einem wertvollen Biotop entwickelt haben.

Wir wandern zunächst auf dem 17 km langen Wanderweg Göljåleden durch das Göljån-Tal, der hinauf auf das kahle Fjäll zur Göljastugan (Berghütte) führt. Der Wanderweg ist auch heute noch schwer zugänglich und nur für geübte Wanderer zu empfehlen. Da wir keiner klaren Linie folgen, sondern einfach querfeldein laufen, benötigen wir hier zum ersten Mal unser Navigationssystem, um uns in diesem Urwald nicht zu verlaufen. Ein kribbeliges Abenteuer, wie meine Tochter findet, und unter diesen Umständen zur Hochform aufläuft. Wir befinden uns zwar auf einem offiziell ausgewiesenen Naturlehrpfad, der rund um das Regenkatastrophengebiet markiert wurde, der aber stellenweise schlecht bis gar nicht markiert ist. Die Spuren der Katastrophe sind auch heute noch deutlich erkennbar. Meterlange Baumstämme liegen wie zufällig geworfene Mikadostäbchen in der Umgebung. Auf den Kies- und Erdwallen, die der Regen aufgeworfen hat, wachsen nun zahlreiche Orchideenarten, Moose und Flechten. Die durcheinandergewürfelte Flora folgt hier keiner klaren Linie mehr, und ist gerade deshalb besonders reizvoll. Wir überqueren den Fluss Göljån an einer zerstörten Brücke und freuen uns, dass uns das ohne nasse Füße gelingt. Durch dichten Wald führt der Rundweg zurück, wobei wir die Markierung verlieren und uns im dichten Unterholz wiederfinden. Schließlich finden wir Dank meiner Wander-App wieder zurück auf den Weg und zu unserem Ausgangspunkt. Insgesamt 10 Kilometer lang war unser kurzer Ausflug in die wirkliche Wildnis, den meine Tochter zur aufregendsten Wanderung der gesamten Schwedenreise kürte.

Wildnis im Göljån-Tal
Wildnis im Göljån-Tal
Der Fluss Göljån
Der Fluss Göljån

Weiterführende Informationen über die Wanderwege (inkl. Übersichtskarten) im Fulufjället Nationalpark findet man auf der Internetseite der Parkverwaltung, konkrete Wanderrouten allerdings nur im schwedischen und englischen Teil.

Der Fulufjället NP

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