Städtereisen mit Kindern und Jugendlichen – Lissabon sehen und erleben

Bei einer ersten Reise nach Portugal gehört eine Besichtigung der Hauptstadt Lissabon selbstverständlich zum Pflichtprogramm. Zunächst war mir allerdings nicht so recht klar, warum man ausgerechnet Lissabon einen längeren Besuch abstatten sollte, fand ich im Internet doch so gar keine großen oder besonderen Sehenswürdigkeiten, die sich auf den ersten Anblick lohnen würden. Des langen vergeblichen Suchens nach Highlights überdrüssig, verließ ich mich auf mein Gefühl, und wir flogen ohne großartige Vorausplanung nach Lissabon, in der Hoffnung, dass wir den uns zur Verfügung stehenden Besichtigungstag schon irgendwie rumkriegen würden.

Unser gemütliches Hostel, mit dem Charme einer Jugend-WG, liegt relativ zentral in der Nähe zum Park Eduardo VII. Die wohl freundlichste (und hübscheste – behauptete zumindest mein Mann 😉 ) Hostel-Angestellte Lissabons überschüttet uns gleich am Ankunftstag mit wertvollen Informationen über die Stadt und seine sehenswerten Ecken. Sie erklärt uns genaustens wie man am besten wohin kommt, wo es gutes Essen gibt und was man sich als Lissabon-Erstbesucher auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Dankbar nehmen wir alle Informationen auf und sind insgeheim froh, dass wir im Vorfeld nichts geplant haben, was reine Zeitverschwendung gewesen wäre. Noch am ersten Abend statten wir dem sehr hübschen Stadtpark Eduardo VII einen kurzen Besuch ab und gewinnen dabei einen ersten Eindruck von Portugals Hauptstadt Lissabon.

Parque de Eduardo VII

Gleich am ersten Tag wird mir klar, dass der Besuch Lissabons so ganz anders werden wird als der anderer Hauptstädte Europas, welche wir bisher besucht haben. Mit Paris, Rom oder London kann Lissabon sicherlich nicht mithalten, aber genau das macht den Reiz Lissabons aus. Es ist eine Hauptstadt, die sich so ganz unweltlich gibt, ja geradezu das Gegenteil von dem ist was eine mondäne, kosmopolitische Metropole ausstrahlt – nämlich internationalen, kühlen Großstadt-Flair. Lissabon ist in allen Belangen positiv anders. Sie ist aus meiner Sicht eine lebendige und gleichzeitig gemütliche Stadt, eine große und in sich betrachtet dennoch pittoreske Metropole, mit einer internationalen Gemeinde, die jedoch einen sehr portugiesischen Flair ausstrahlt. Lissabon ist – um es mit drei kurzen Worten auszudrücken – jung, bunt und liebenswert, eine Stadt, in die man sich in nur einem Tag verlieben kann.

Lissabon ist so herrlich unkonventionell
Ebenso die historische Straßenbahn in der Avenida da Liberdade

So beginnen wir am folgenden Tag die Stadt nicht nach ihren Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern mit Neugierde zu erkunden und zu genießen. Besonders lohnenswert ist es, durch die engen Gassen der Altstadt Alfama zu schlendern. Die berühmten Linie 28 windet sich durch die schmalen Straßen der Altstadt und ist für Touristen ein spannender Anblick. Eine Fahrt mit der Bahn ersparen wir uns, da diese leider (es ist Sonntag) hoffnungslos überfüllt ist. Doch auch zu Fuß kommt man in Alfama sehr weit, da die Altstadt in ihrer Größe überschaubar ist. Mit kleineren Kindern sollte man dennoch ein wenig aufpassen, da Autos – auch noch in den engsten Gassen – nahezu überall fahren dürfen.

Die Linie 28 windet sich durch die Gassen von Alfama

Vorbei an der Kathedrale von Lissabon windet sich die Straße hinauf zum bekannten Aussichtspunkt Santa Luzia. Von der dortigen Aussichtsplattform genießt man einen schönen Blick über die Altstadt Lissabons. Santa Luzia ist einer der beliebtesten Foto-Spots Lissabons.

Blick von Santa Luzia über die Altstadt Alfama

Folgt man den Gassen weiter bergan gelangt man nach kurzer Zeit zum Castelo de São Jorge. Für eine Besichtigung der Burg muss man häufig lange anstehen – so auch am heutigen Sonntag. (Der Eintritt kostet 10 € pro Person.) Wir haben keine Lust auf langes Anstehen und steuern lieber zwei aussichtsreiche Hügel an, von denen man wunderschöne Blicke über einen großen Teil Lissabons genießen kann. Der erste ist Miradouro da Graça, von dem man einen guten Blick auf das Castelo de São Jorge hat und der zweite Aussichtspunkt ist noch ein wenig höher an der Rua da Senhora do Monte. Von hier genießt man einen noch weiteren Blick über den Süden und Westen Lissabons.

Aussichtspunkt an der Rua da Senhora do Monte

Am Abend bestaunen wir noch das mächtige Aquädukt das Águas Livres, welches einen guten Kilometer von unserem Hostel entfernt liegt. Das dazugehörige Museum ist leider schon geschlossen.

Das Aqueduto das Águas Livres
Es überspannt eine Schnellstraße und die Autobahn IP7

Im Nachhinein fanden wir den eintägigen Besuch Lissabons viiiiel zu kurz, hat die Stadt doch so viel mehr zu bieten. Glücklicherweise verläuft unsere Streckenwanderung auf der Rota Vicentina ohne Hindernisse, sodass wir am Ende unserer Portugalreise noch einen freien Tag zur Verfügung haben. So stürzen wir uns ein zweites Mal ins Vergnügen, die Hauptstadt Portugals näher kennen zu lernen.

2. Besuch Lissabons

Am 25.04. ist Nationalfeiertag in Portugal

Am Tag unserer erneuten Ankunft in Lissabon, dem 25.04., wird der friedlichen Revolution im Jahre 1974 gedacht, die als Nelkenrevolution in die Geschichte einging und das Ende der Diktatur einläutete. Überall in der Stadt gibt es kleine Feierlichkeiten und am zentralen Platz in der Stadt, dem Praça do Comércio, finden eine große Lasershow und ein Feuerwerk statt. Gefühlt findet sich am heutigen Abend die Hälfte der portugiesischen Bevölkerung in der Hauptstadt ein. Es ist ein friedliches Fest, ganz wie zu Zeiten der Revolution und wir freuen uns ganz besonders heute ein Teil davon sein zu dürfen.

Zurück in Lissabon – mit Blick auf die Brücke Ponte 25 und die Stadt Almada

Am nächsten Tag beginnen wir mit unserem Besichtigungsprogramm am frühen Vormittag. Zunächst frühstücken wir im berühmten Café A Brasileira,in dem schon vor über hundert Jahren berühmte Intellektuelle und Künstler ihren Bica, eine typisch portugiesische Variante des Espressos, genossen haben. Danach fahren wir mit dem Stadtbus in den, bei Touristen sehr beliebten, Stadtteil Belém, der ca. 6 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums am Fluss Tejo liegt.

Belém blieb vom großen Erdbeben im Jahre 1755, welches Lissabon größtenteils zerstörte, weitgehend verschont. So befinden sich hier noch viele historische Gebäude und Sehenswürdigkeiten, die vor diese Zeit erbaut wurden und heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Lissabons zählen. Der Torre de Belém und das Hieronymitenkloster Mosteiro dos Jerónimos gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und sind die bekanntesten Gebäude Lissabons.

Hieronymitenkloster Mosteiro dos Jerónimos
Der Torre de Belém
Das Denkmal Padrão dos Descobrimentos in Belém

Nach so viel Kultur genießen wir erst einmal die berühmten mit Pudding gefüllten Blätterteigtörtchen Pastéis de Belém, die in diesem Stadtteil von einem Mönch einst erfunden und hier heute noch vertrieben werden. Sie gelten als die bekannteste, traditionelle portugiesische Süßspeise, und man findet sie nahezu in jedem portugiesischen Cafe, das etwas auf sich hält. Ganz im Vertrauen – sie schmecken herrlich.

Viel zu schnell geht der Tag zu Ende. Am späten Nachmittag kommen wir wieder im Zentrum Lissabons an. Wir besichtigen noch kurz das Einkaufsviertel nahe der Altstadt (in dem man als Frau wunderbar shoppen gehen kann) mit seinem berühmten Aufzug Elevador de Santa Justa und begeben uns dann zügig zur U-Bahn Station, die uns zurück zu unserem Hostel bringt.

Der 1902 erbaute Elevador de Santa Justa

Unsere letzte Station für heute soll der Aussichtspunkt im Einkaufszentrum Amoreiras sein, von dessen Dachterrasse man den besten Blick über die Stadt Lissabon genießen kann. Für uns ein Abschluss, der sich sehen lassen kann. Wir sind überwältigt von dem 360 Grad Rundumblick über die Stadt und verfallen jetzt schon in Sehnsucht, wenn wir daran denken, dass unsere Reise hier zu Ende ist. Doch eines ist klar: Lissabon ist eine Stadt, die auf den zweiten Blick gefällt und mit jedem weiteren an Faszination hinzu gewinnt. Für uns wird dies nicht der letzte Blick auf sie gewesen sein. Ganz sicher!

Ausblick von der Dachterrasse des Einkaufscenters Amoreiras über Lissabon
Ausblick von der Dachterrasse des Einkaufscenters Amoreiras über Lissabon

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