Norwegen – Tageswanderung in der Hardangervidda – Rundtour von Bjoreidalen via Stigstuv zum See Tinnhylen (20 km return)

So riesig das Naturschutzgebiet der Hardangervidda ist, so unendlich viele Wandermöglichkeiten bietet die größte Hochebene Europas für Wanderfreunde. Selbst das Querfeldeinlaufen scheint hier sehr beliebt zu sein, wofür man allerdings über Ortskenntnisse verfügen sollte oder eine sichere Navigation. Sich im weiten Fjell der Hardangervidda zu verlaufen ist nicht unwahrscheinlich, und sicher auch nicht ungefährlich. Wir orientieren uns in dieser Hinsicht lieber an bestehenden Wanderrouten, die es auch im National Park der Hardangervidda zuhauf gibt, und die immer mit der typischen Wegweisung – einem roten T – versehen sind. Selbst im tiefsten Fjell der Hardangervidda ist die Markierung der Wanderrouten so gut wie lückenlos. Ab und zu muss man natürlich ein wenig nach den Markierungen Ausschau halten, aber selten gibt es größere Lücken zwischen den einzelnen roten T´s, die auf Steinen und Steintürmchen prangern. Das „T“ steht übrigens für „Touristenroute“.

Unverkennbar eine Touristenroute – wie man sieht

Eine Tour, die wir über das Internet gefunden und auf unsere Navigations-App geladen haben, ist die Touristenroute von Bjoreidalen über die Wanderhütte Stigstuv zum See Tinnhylen und wieder zurück nach Bjoreidalen. Mit 20 Kilometern und nur 250 Höhenmetern ist diese Wanderung eine gemütliche Tagestour für uns.

Ein schöner flacher Wanderweg in der Hardangervidda

Doch zunächst einmal müssen wir von Eidfjord über die Staatsstraße 7, welche im Norden die Hardangervidda quert, bis zum Abzweig Tinnhølvegen fahren. Die folgende ca. 15 Kilometer lange Schotterstraße zum See Tinnhylen ist eine Mautstraße (was wir zuvor nicht wussten). Das Gebiet um den See mit der Touristenhütte Trondsbu ist ein beliebtes Angler- und Ausflugsgebiet im National Park der Hardangervidda, was die hohe Straßenmaut von 20 € sicher rechtfertigt. Ohne sie würden sicher noch mehr Ausflügler, wie ohnehin schon, den See bevölkern. Wir nehmen die Gebühr gelassen und zahlen sie anstandslos, auch wenn wir nur einen Teil der Strecke mit dem Auto zurücklegen.

An der Fjellhütte Bjoreidalen parken wir unseren Wagen und ziehen dem Lauf des Flusses Svinto folgend los. Der fast ebene Weg führt uns in die endlos erscheinenden Weiten der Hardangervidda. Die Stimmung ist mystisch. Die Weiten des Fjells sind so still, dass man den leichten Wind als eine deutlich vernehmbare Geräuschkulisse wahrnimmt. Nach unserem Geschmack könnte diese Geräuschkulisse noch viel lauter sein, da wir uns in dieser zu schwachen Brise vor Stechmücken kaum retten können. Das Mückenschutzmittel haben wir natürlich im Auto vergessen, weshalb wir jetzt mit dieser Plage leben müssen. Die anhänglichen Plagegeister lauern in den sumpfigen Böden und niedrigen Gehölzen, und bei jedem Tritt auf den weichen Untergrund stoben diese auf und freuen sich überschwänglich angesichts der üppigen Mahlzeit, die sich ihnen mit unserer Anwesenheit darbietet. Wir sind dagegen weniger erfreut und wedeln uns mit schwingenden Armen durch die wunderschöne Landschaft, für die wir unter diesen Umständen kaum noch einen längeren Blick übrig haben.

Schöne aber mückenreiche Landschaft

An der Fjellstation Stigstuv bitten wir deshalb um Einlass, damit wir wenigstens unsere Brotzeit ohne die lästigen Blutsauger einnehmen können. Die bewirtschafteten Hütten des norwegischen Wanderverbandes sind wahre Luxustempel in einer geradezu ärmlichen Umgebung. Draußen in der Wildnis ist man als Wanderer den Widrigkeiten der Natur ausgesetzt, und im Inneren der Hütten erwarten einen so ziemlich alle Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation. Wir waren ehrlicherweise ein wenig schockiert über diese Tatsache. Sogar gastronomische Küchen zur Bewirtung der Gäste gibt es hier. Nach den Preisen der Speisekarte fragt man lieber nicht, angesichts der Unzugänglichkeit der Hütten im Nirgendwo der Hardangervidda.

Die Touristenhütten Stigstuv

Nach unserer kurzen Pause führt uns der Weg durch den National Park Hardangervidda westwärts. Gott sei Dank fegt der Wind jetzt ein wenig stärker über die flache Landschaft der Hardanger, sodass wir unseren Weg nun ohne nervige Begleitung fortsetzen können. Bis zum See Tinnhylen gibt es nur mäßige Steigungen, womit die Wanderung mehr zu einem netten Sonntagsspaziergang wird. Trotz dieser Tatsache kommen wir nur schleppend voran. Der Wanderweg ist stark ausgetreten, und aufgrund der vielen Regenfällen der letzten Wochen über weite Strecken sumpfig bis überschwemmt. Ständig müssen wir den schlimmsten Stellen weiträumig ausweichen, wodurch wir letztendlich mehr Kilometer zurücklegen als geplant.

Am See machen wir eine zweite Rast. Hier endet die Schotterstraße Tinnhølvegen, und auf mehreren Parkbuchten verteilt, stehen zahlreiche Camper, Busse und Pkw´s. Das Gebiet ist beliebter, als wir erwartet haben. Warum auch nicht! Die Umgebung ist wunderschön, und wir haben das Glück, dass zum ersten Mal seit vielen Tagen die Sonne hinter den Wolken hervorkommt und der Umgebung hier in eine wunderschöne Stimmung verleiht.

Die Landschaft am See Tinnhylen

Der Weg zurück zu unserem Auto führt leider direkt über die Schotterstraße Tinnhølvegen. Trotzdem genießen wir den Rückweg von fünf Kilometern mit dem Blick über die weite Hardangervidda und in der Ferne den Blickfang schlechthin, der mächtige Plateau-Gletscher Hardangerjøkulen.

Der Rückweg auf dem Tinnhølvegen

Fazit der Wanderung in der nördlichen Hardangervidda

Die Rundwanderung von Bjoreidalen zum See Tinnhylen und zurück ist eine leichte Wanderung. Der Ausgangspunkt ist gut zu erreichen, auch wenn die hohe Straßengebühr ein wenig abschreckt. Diese finden wir jedoch gerechtfertigt, weil man so den eigentlichen National Park Hardangervidda sogar mit dem Auto erreichen kann. Im Übrigen ist das nicht die einzige Straße in der Hardangervidda, die kostenpflichtig ist.

Der Wanderweg ist, wie schon erwähnt, sehr einfach zu gehen. Ich würde sogar behaupten, dass diese Tour mit kleinen Kindern ohne weiteres machbar ist. Lediglich wasserdichte Schuhe sind auf weiten Teilen des Weges vonnöten. Hin und wieder muss man kleine Bäche queren, welche aber kein großes Hindernis darstellen. Die nähere Umgebung ist in diesem Gebiet sehr flach. Man genießt aber immer einen weiten Blick auf die Berge der Hardangervidda im Süden und den grandiosen Gletscher Hardangerjøkulen im Norden. Für uns war es eine schöne Wanderung, die das typische Bild der abenteuerlichen Hardangervidda auch für Tageswanderer erlebbar macht.

Ach ja, bevor ich es vergesse: einen Mückenschutz dabei zu haben, ist nicht die schlechteste Idee.


Kennst du noch weitere Wanderungen in der nördlichen Hardangervidda? Dann freuen wir uns, wenn du diese mit uns teilst.

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