Neben den großen und bekannten Fernwanderwegen genießen wir auch immer wieder mal die kleinen, feinen Mehrtageswanderungen, von denen es in Deutschland hunderte – wenn nicht gar – tausende gibt. Einer dieser – eher unbekannten – Mehrtagestouren, den ich persönlich in seiner Länge jedoch nicht als Fernwanderweg bezeichnen würde, ist der Böhmweg im Bayerischen Wald. Er ist mit seiner Länge von gerade einmal 55 Kilometern ein Wanderweg, den man sich gut an einem Wochenende erwandern kann.

Die Geschichte des Böhmwegs
Der Böhmweg ist ein historischer Handelsweg zwischen Böhmen (dem heutigen Tschechien) und der Donau bei Deggendorf. Er war über Jahrhunderte die kürzeste Verbindung zwischen der Lebensader Donau und dem tiefen Böhmerwald. Seine Bedeutung als Straße führt sogar bis in die Keltenzeit zurück. Im 18. Jahrhundert wurde die Straße mit Granitplatten befestigt, womit er fortan mit Pferdefuhrwerken befahren werden konnte. Der Böhmweg war trotz seiner großen Bedeutung als Handelsstraße eine gefährliche Route für Reisende. Es gab zahlreiche Gefahren durch Räuberbanden, aber auch Bären und Wölfe, die in den dichten Wäldern des Bayerischen bzw. Böhmischen Waldes ihr Revier hatten. Dennoch wurde der Böhmweg rege von Kaufleuten sowie Missionaren und Pilgern genutzt.
Als Anfang des 19. Jahrhunderts eine neue Straße, die Ruselstraße, gebaut wurde, verlor der Böhmweg an Bedeutung als Verkehrsweg. Heute ist er ein beliebter – wenn auch nicht sehr bekannter – Wanderweg, der den Böhmerwald mit der Donau verbindet, und auf dem man den Spuren der alten Händler und Reisenden vom Donautal über die Berge des Bayerischen Waldes bis nach Böhmen hinein folgen kann.

Wie erreiche ich die Startpunkte des Böhmweg
Am besten erreicht man den Böhmweg über Deggendorf an der Donau. Per Bahn gelangt man mit den Regionalzügen der Agilis Verkehrsgesellschaft nach Deggendorf, die zwischen der Donau und dem Bayerischen Wald verkehren, aber auch der Fernzug ICE 23, der vom Rheinland bis nach Wien fährt, hält in Deggendorf.
Läuft man die Strecke vom Böhmerwald an die Donau, gelangt man mit der Waldbahn (Länderbahn GmbH) von Deggendorf nach Bayerisch Eisenstein.

Unser Wander-Wochenende auf dem Böhmweg
Etappe 1 zwischen tschechischer Grenze und Weißenstein (bei Regen) – 28 km

Genaugenommen beginnt der Böhmweg in Železná Ruda in Tschechien. Die Stadt liegt unweit der Grenze zu Deutschland und Bayerisch Eisenstein. Železná Ruda ist eines der sportlichen und touristischen Zentren des tschechischen Böhmerwaldes und befindet sich im Biosphärenreservat Šumava (tschechischer Teil des Naturschutzgebietes Böhmerwald).
Für uns allerdings beginnt die kurze Fernwanderung in Bayerisch Eisenstein. Über den Grenzweg gelangen wir an den Grenzübergang, wo der historische Böhmweg in Deutschland beginnt. Gleich zu Beginn merken wir, dass der Böhmweg sehr gut beschildert ist, und asphaltiert, was für ca. ein Drittel des gesamten Böhmwegs zutrifft.
Zu Beginn an begeistert uns die herbstliche Stimmung des Böhmerwaldes. Nach wenigen Kilometern erreichen wir schon das Zwieslerwaldhaus, dessen Geschichte sehr eng mit dem Böhmweg verbunden ist. Das als Schutzhütte entstandene Haus wurde für die Reisenden des Böhmerwaldes zur festen Institution als Schutz- und Einkehrstätte auf dem Böhmweg. Es gilt es als das älteste Gasthaus im Bayerischen Wald. Leider war es bei unserer Ankunft geschlossen.

Wir befinden uns auf den ersten Kilometern des Böhmwegs im Nationalpark Bayerischer Wald unweit der Kernzone am Fuße des Großen Falkenstein (1.315 m) und genießen immer wieder den Blick auf einen der höchsten Berge des Bayerischen Waldes. Nach knapp 10 Kilometern erreichen wir den Luftkurort Zwiesel, welcher für ihre Glasherstellung weithin bekannt ist. Von Zwiesel aus führt der Böhmweg (leider) eine längere Strecke auf Asphalt direkt neben einer vielbefahrenen Straße entlang. Dafür müssen wir aber kaum anstrengende Höhenmeter überwinden. Diese kommen erst kurz vor unserem Etappenende bei Weißenstein, wenn man bei knapp 500 zu überwindenden Höhenmeter überhaupt von anstrengend sprechen kann. Die Stadt Regen, welche nicht direkt am Böhmweg liegt, eignet sich gut als Etappenziel bei einer zweitägigen Tour, da es zahlreiche Unterkünfte in der Stadt gibt. Wir übernachten allerdings hoch über Regen in Weißenstein mit Blick auf die schöne Burgruine.


Etappe 2 zwischen Weißenstein und Deggendorf – 27 km
Am zweiten Wandertag verlässt uns das Schöne-Herbstwetter-Glück. Schon am Morgen regnet es ohne Unterbrechung. Trotzdem ist diese zweite Etappe des Böhmwegs landschaftlich wunderschön, da sich zunehmend die dichten Wälder des Böhmerwaldes lichten, und man immer wieder weite Ausblicke in den Bayerischen Wald genießen kann (zumindest, wenn das die dicken Regenwolken zulassen). Im zweiten Teil des Wanderweges werden die asphaltierten Strecken weniger und man dringt auf teils verwunschenen Pfaden tief in die Böhmischen Wälder ein. Einkaufsmöglichkeiten gibt es auf dieser Strecke nur nach 8 Kilometern in der Gemeinde Bischofsmais, und Einkehrmöglichkeiten in Form von Restaurants im besagten Bischofsmais und im kleinen Skiort Greising. Zwischen Hermannsried und Greising ist die ehemalige Handelsstraße auf einigen Abschnitten durch zahleiche Granitplatten auf dem Weg noch deutlich erkennbar. Nach 20 Kilometern erreicht man schon die Vororte von Deggendorf. Der Böhmweg windet sich noch einmal um die Stadt herum in den Wald hinein und endet schließlich nach 27 Kilometern am Bahnhof von Deggendorf.

Der Böhmweg im Bayerischen Wald – unser Fazit
Der Böhmweg ist ein kurzer, aber sehr reizvoller, Wanderweg im Bayerischen bzw. Böhmerwald. Durch die geringen Höhenunterschiede ist er auch für weniger trainierte Wanderer und Familien mit Kindern geeignet, die den Weg auch in drei kürzeren Tagesetappen zurücklegen können. Bei dieser Etappeneinteilung eignen sich die Ortschaften Zwiesel (nach 14 km) und Bischofsmais (nach 36 km) als Etappenziele. Neben der reizvollen Landschaft gibt es auch einige kleine kulturelle Schmuckstücke auf dem Böhmweg. Darunter ist das historische Zwieslerwaldhaus. die Burgruine Weißenstein und die Wallfahrtskirchen Sankt Hermann bei Bischofsmais sowie eine weitere Wallfahrtskirche in Greising.

Der Böhmweg ist extrem gut ausgeschildert, sodass eine Navigation eigentlich nicht nötig ist. Das Zeichen ist ein schwarzes Rad auf weißem Grund. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auf dem Böhmweg zahlreich und auch die Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten sind über die Gesamtstrecke relativ gut verteilt.
Wir können den Böhmweg vor allem Genusswanderern und Familien mit Kindern empfehlen, da es ein technisch recht anspruchsloser Wanderweg ist. Aber auch Wochenendwanderern, die den Weg in zwei Tagen laufen, kann der Böhmweg einiges bieten.
Nähere Informationen über den Böhmweg erhält man auf der Webseite des Tourismusverband Ostbayern e.V.

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