Aus Mangel an Ideen habe ich ein „Verlegenheitsziel“ für den diesjährigen Sommerurlaub ausgesucht. „Verlegenheitsziel“ deshalb, weil mir bei der Planung des Sommerurlaubs absolut kein Reiseziel eingefallen wäre, was mich bei der Vorbereitung schon so fesselt, dass ich es kaum erwarten kann loszuziehen. Bei Irland war das interessanterweise komplett anders. Irgendwie fragte ich mich schon vor der Reise, was ich dort überhaupt soll. Der Grund warum ich dennoch einen Flug auf die grüne Insel buchte war der, dass dieser einfach unschlagbar günstig war.
Vor vielen Jahren, genauer gesagt 30 Jahren, war ich schon einmal auf der grünen Insel unterwegs gewesen. Damals mit dem Fahrrad. Und ich erinnere mich eigentlich nur noch daran, dass es jeden Tag regnete. That´s it. Und jetzt nochmal Irland, ohne zu wissen, was ich dort unternehmen kann? Irgendwie blöd, aber aus Verlegenheit, weil ich wirklich keine andere Idee hatte, fiel die Wahl auf Irland.
Unsere 14-tägige Reise sollte sich ähnlich gestalten wie unsere Schottlandreise vor sechs Jahren. Ein Roadtrip mit abwechselndem Wandern und Sightseeing. Wir besuchten dabei acht Grafschaften (Countys) auf der grünen Insel, die, zu unserem Erstaunen, nicht unterschiedlicher sein könnten.
Unser Start in den Wicklow Mountains und den Countys Wicklow und Wexford
Nicht weit von Dublin (unserem Ankunftsflughafen) entfernt liegen die Wicklow Mountains. Der Gebirgszug beginnt südlich von Dublin und verläuft fast bis in den Südosten der Insel. Hier möchten wir erst einmal ankommen, haben aber auch zwei kleine Wanderungen geplant. Wir suchen uns einen schnuckligen, kleinen Campingplatz direkt im Wicklow Mountain Nationalpark aus, der leider zum teuersten Platz des Urlaubs werden wird. Schon jetzt merken wir, Irland ist ein teures Pflaster.

Am ersten Ausflugstag steuern wir dann auch das beliebteste Ziel in den Wicklow Mountains an, das Naherholungsgebiet Glendalough im Wicklow Mountain Nationalpark. Im „spirituellen Zentrum Irlands“ – wie diese Gegend werbewirksam beworben wird – geht es alles andere als spirituell zu. Die Zufahrtsstraßen sind gnadenlos überfüllt an diesem Sonntagvormittag und auf der Zufahrt zum geplanten Wanderweg stehen wir eine halbe Stunde im Stau. Ich bin ein wenig entsetzt, dass hier ein solcher Massentourismus herrscht. Erst später wird mir klar, dass wir uns auch die beliebteste Wanderung dieser Region ausgesucht haben an diesem Sonntagnachmittag in der Hochsaison Anfang August.
Unsere erste kleine Wanderung – Spinc, die weiße Route von Glendalough – 9,5 km, ↑ 300 m
Spinc ist ein Bergrücken, der einen Blick auf das Glendalough Tal mit seinen beiden Seen mit den originellen Namen Upper und Lower Lake zulässt. Die Wanderung rund um das Tal und die beiden Seen wird als weiße Route von Glendalough bezeichnet. Der Name des Berges „Spinc“ stammt aus dem Irischen und bedeutet „An Spinc“, was so viel wie „spitzer Hügel“ bedeutet.

In diesem Gebiet rund um die beiden Seen gibt es zahlreiche weitere Wanderungen, die weiße Route allerdings ist die bekannteste und beliebteste. Die als anspruchsvolle Rundtour gekennzeichnete Wanderroute wird ihrer Einstufung durchaus gerecht. Es geht meist steil, oft auf hölzernen Stegen, bergauf. In seiner Ganzheit sind die Wege allerdings alle sehr gut zu begehen und stellen daher keine große Herausforderung für einen trainierten Wanderer dar.
Die Wanderung kann man sowohl am Lower wie auch am Upper Lake beginnen. Wir starten am oberen See, da dies der schönste Part dieser Wanderung ist. Bei unserer Ankunft am Upper Lake stellen wir leider fest, dass die Umrundung des Sees aktuell nicht möglich ist. Durch Instandhaltungsarbeiten des Wanderwegs im hinteren Teil des Sees ist die Route nur bis zum Gipfel des Spinc (auf 410 m) möglich. Der weitere Weg durch das Glenealo Valley und auf die Nordseite des Sees ist gesperrt. So laufen wir auf der weißen Route nur bis zur Sperrung und auf dem Spinc Loop (der blauen Route) wieder zurück. Trotz der kleinen Enttäuschung über die Sperrung des Wanderwegs genießen wir die – regenfreie – Wanderung zum Gipfel des Spinc mit schönen Ausblicken ins Glendalough Tal. Es ist ein guter Einstieg für unsere Reise durch Irland.

Gleich am nächsten Tag starten wir zu einer weiteren Rundtour im Wicklow Mountain Nationalpark.
Unsere zweite kleine Wanderung – zum J.B. Malone Denkmal und den Bergen White Hill und Djouce (Rundwanderweg) 12 km, ↑ 470 m
Das JB Malone-Denkmal oberhalb von Lough Tay im Wicklow Mountain Nationalpark wurde zu Ehren von John James Bernard Malone (1913-1989) errichtet. Der begeisterte Wandersmann prägte die Entwicklung der irischen Wanderwege maßgeblich. Er schrieb zahlreiche Wanderbücher über die Wicklow Mountains und war Gründer des ersten Langstreckenwanderweg Irlands, dem 132 km langen Wicklow Way.

Ausgangspunkt des Wanderwegs ist der ebenfalls nach ihm benannten Parkplatz am Roberts Pass Hill oberhalb des Sees Tay, der auch als Guinness-See bekannt ist.
Vom JB Malone Parkplatz führt ein kleiner Pfad in den Wald und ca. 150 m bergauf zum JB Malone Denkmal. Schon von hier aus genießt man einen wunderschönen Blick über die Wicklow Mountains und zum Lough Tay. Ab hier geht es auf Holzstegen weiter. Sie bestehen aus alten Eisenbahnschwellen, die mit Maschendraht und Klammern zusammengehalten werden. Diese Konstruktion erweist sich als sehr hilfreich bei feuchten Wetterverhältnissen. Über eine weite Strecke des Wanderwegs wurden dieser Holzsteg angelegt, um die fragile Vegetation zu schützen.

Bei unserer Wanderung allerdings erweist sich der in weiten Teilen morsche und teilweise ausgehöhlte Holzsteg mehr gefährlich als hilfreich. Es herrscht heute ein sehr starker Wind. Um ehrlich zu sein, habe ich auf einer Wanderung noch nie so einen starken Wind erlebt. Zwar sind böige Winde hier angeblich normal, aber selbst Einheimische bestätigen uns, dass der heutige Wind außergewöhnlich stark ist. Eigentlich ist eine Wanderung unter diesen Umständen zu gefährlich. Mehr als einmal weht uns der Wind vom Holzsteg, weshalb wir es dann doch vorziehen auf dem torfigen Untergrund neben dem eigentlichen Weg zu laufen.

Unter diesen Umständen kommen wir nur sehr langsam voran. Und je höher wir kommen umso stärker scheint der Wind zu blasen. Am ersten Gipfel des White Hill (630 m) angekommen, haben wir das Gefühl, dass er noch stärker geworden ist, und auf dem Gipfel des Djouce können wir uns kaum mehr auf den Beinen halten. Sogar das Schlauchtuch, welches ich mir über den Kopf gezogen haben, reißt mir der unerbittliche Wind vom Kopf. So verlassen wir den Gipfel schneller als gedacht, ohne das obligatorische Gipfelfoto. Auf der Ostseite des Berges lässt der Wind merklich nach und wir können zum ersten Mal eine Pause machen. In einer großen Schleife – die wir diesmal ohne starken Wind genießen können – führt der Wanderweg um die beiden Berge herum wieder zum Ausgangspunkt oberhalb des Malone Denkmals zurück.

Am nächsten Tag geht es für uns schon wieder weiter. Unser nächstes Ziel sind die Grafschaften Tipperary und Kerry.
Kennst du noch weitere tolle Wanderungen in den Wicklow Mountains? Dann freuen wir uns, wenn du diese mit uns teilst.
weitere spannende Wanderungen findest du auf unserer interaktiven Tourenseite →

