Weiter geht es für uns in den Südwesten der Insel. Irlands Verwaltungsbezirke gliedert sich in Grafschaften, sogenannten Countys. Im zentralen Süden der Insel liegt die Grafschaft Tipperary. Hier machen wir einen kurzen Zwischenstopp, um uns eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region, aber auch Irlands anzusehen, die Burg Rock of Cashel, in der gleichnamigen Gemeinde.
Rock of Cashel in Tipperary – eine Sehenswürdigkeit die man nicht verpassen sollte
Wobei die Bezeichnung Burg hier nicht ganz richtig ist, auch wenn Rock of Cashel wirklich wie eine mittelalterliche Burg aussieht. In Wirklichkeit sind es verschiedene Gebäude, die zu unterschiedlichen Epochen auf dem markanten Rock of Cashel (dem Felsen von Cashel) erbaut wurden. Vor der Bebauung eroberten abwechselnd irische Clans den strategisch gut gelegenen Felsen und begannen darauf Gebäude zu errichten. Das älteste noch heute erhaltene Gebäude ist auch das höchste des Komplexes, der 28 Meter hohe Rundturm. Seine Erbauung vermutet man um die Jahrtausendwende (900 – 1100 n.Chr.). Nach und nach errichteten Adlige und vor allem die Kirche verschiedene Gebäude wie Kathedralen und weitere Räumlichkeiten in denen zu verschiedenen Zeiten Könige, aber hauptsächlich Vertreter der Kirche wie Bischöfe und Mönche residierten. Der Rock of Cashel zählt zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Irlands, und auch wir können uns seiner Faszination nicht entziehen.
Der Rock of Cashel kann mit und ohne Führung besichtigt werden. Die aus unserer Sicht geringen Eintrittskosten ist der Rock of Cashel auf jeden Fall wert. Nähere Infos findet man auf der offiziellen Internetseite des Rock of Cashel.

Die Stadt Killarney und der Killarney Nationalpark
Nach dem wirklich kurzen Zwischenstopp geht es am gleichen Tag weiter nach Killarney in der Grafschaft Kerry. Hier möchten wir wieder ein paar kleine Wanderungen u.a. im gleichnamigen Nationalpark unternehmen und anschließend den Ring of Kerry mit dem Auto umfahren.
Die quirlige Stadt Killarney ist ein wahres Touristenmagnet. Wir wundern uns über die zahlreichen Besucher, die hier täglich gegen Abend die Stadt bevölkern. Uns ist das schon wieder ein bisschen zu viel, weshalb wir uns vom Stadtkern weitgehend fernhalten und lieber auf dem etwas außerhalb gelegenen Campingplatz chillen. Schon am nächsten Tag starten wir unsere erste kleine Wanderung.

Muckross Lake Schleife im Killarney National Park – 15 km, ↑ 200 m
Die Wanderung um den Muckross Lake südlich von Killarney gleicht mehr einem Spaziergang und ist wandertechnisch sehr einfach. Lediglich der Anstieg zum Torc Wasserfall erfordert ein wenig Anstrengung. Der Rundwanderweg beinhaltet zahlreiche schöne Sehenswürdigkeiten im Nationalpark Killarney und kann somit schon einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, wenn man sich für alles die nötige Zeit nehmen möchte. Eigentlich gleicht die Wanderung mehr einer Sightseeingtour als einer Wanderung. Als Sehenswürdigkeit wäre da die verwunschene Muckross Abbey zu nennen oder das Herrenhaus Muckross House, welches von einer gepflegten Parkanlage mit teils exotischen Pflanzen umgeben ist.



Ein großer Teil des Weges ist leider geteert und wird rege von Fahrradfahrern genutzt. Etwas wilder und einsamer wird die Wanderung im südlichen Teil des Sees auf der Muckross-Halbinsel, deren Landzunge den Muckross-See vom größeren Lough Leane trennt. Man betritt einen märchenhaften Wald der über und über mit Moosen und Farnen bedeckt ist. Dieser Teil des Weges ist naturbelassen und für Radfahrer gesperrt. Im südlichen Teil des Muckross Lake gibt es ein 200 Jahre altes Cottage, das Dinis Cottage, welches heute ein gemütliches Café ist. Von hier aus kann man – wenn man nicht mehr weiterlaufen möchte – mit dem Boot zurück nach Killarney fahren. Kurz vor dem Ende unserer Wanderung haben wir noch einmal einen schweißtreibenden Aufstieg zum Torc-Wasserfall, dessen Mühe sich aus unserer Sicht nicht wirklich lohnt. Anyway, es war eine gemütliche und schöne Wanderung.


Wanderung zum höchsten Berg Irlands, dem Carrountoohill – 12,5 km, ↑ 840 m
Das Wetter ist schon seit Tagen irisch mit Sonne, Wolken, Wind und Regen im Wechsel. Man weiß am Morgen eigentlich nie wie sich der Tag entwickelt. Heute allerdings haben wir wenig Hoffnung, dass die Sonne noch die dicken Wolkenberge auflösen kann. In der Nacht hat es kräftig geregnet und der Wind rüttelte gewaltig an unserem Zelt. Am Morgen sieht es mäßig besser aus. Trotzdem starten wir zu unserer schwierigsten Tour, die wir hier in Irland geplant haben. Wir möchten den höchsten Berg des Landes, den 1039 Meter hohen Carrountoohill, besteigen. Es gibt zwei Routen, die hinauf auf den Gipfel führen. Einmal die von Westen startende Coomloughra Horseshoe Route und die zweite von Osten kommend über die Seen Lough Callee und Lough Gouragh. Wir entscheiden uns für die zweite Variante und hoffen beim Laufen durch das schöne Hag´s Glen Tal inständig auf ein Wetterwunder.

Leider kommt dies nicht. Dennoch ist die Aussicht auf die umliegenden Berge grandios und erinnert mich an das raue Schottland oder Island. Der Weg zieht sich kaum ansteigend durchs Tal. An den Seen angekommen geht es allerdings ans Eingemachte, wie man so schön sagt. Auf einer Länge von knapp einem Kilometer steig der Weg plötzlich über 300 Höhenmeter an. Dieser Aufstieg nennt sich Devil´s Ladder und führt über ein steiniges Flussbett mit „schönstem“ Blockwerk. Kraxeln ist angesagt. Der Blick zurück ins Tal ist großartig, und selbst die Wolkenberge scheinen sich auflösen zu wollten. Dagegen schieben sich dicke Wolken von Westen kommend über den Pass und begraben den Gipfel des Carrountoohill unter sich. Am Ende der Devil´s Ladder angekommen sieht man nichts mehr vom höchsten Berg Irlands und es beginnt zu allem Überfluss zu regnen. Wir entscheiden uns schweren Herzens nicht weiter zu laufen, weniger aus Sicherheitsgründen als vielmehr der Tatsache, dass wir auf dem Gipfel überhaupt keine Aussicht haben würden, da der Berg komplett von Wolkenbergen eingehüllt ist.

Vom Grat zwischen den beiden Seen Callee und Gouragh genießen wir einen herrlichen Blick zurück ins Tal. Über den Berg Cnoc na Toinne (845 m) beginnen wir den teilweise heiklen Abstieg, der auf kurzen Abschnitten nichts für Menschen mit Höhenangst ist. Aus diesem Grund läuft mein Mann auch über die Devil´s Ladder zurück, was bei diesem Regen sicherlich ebenfalls kein Vergnügen ist. Ein wenig traurig bin ich über unsere gemeinsam getroffene Entscheidung schon, aber sie erweist sich im Nachhinein als richtig, da auf dem Rückweg der Wind und Regen stark zunehmen. Unter diesen Umständen benötigen wir ewig für den Rückweg und kommen erst am frühen Abend wieder am Auto an. Nicht nur wir haben an diesem Tag eine vernünftige Entscheidung getroffen. Viele andere Wanderer haben ebenfalls den Rückzug angetreten. Manchmal eben wiegt Vernunft über Abenteuerlust, und das ist auch gut so.

Unsere Weiterfahrt auf dem Ring of Kerry – 180 km auf der N 70
Da ich vor 30 Jahren aus Zeitmangel den Ring of Kerry nicht besuchen konnte, möchte ich die bekannteste Küstenstraße Irlands bei dieser Reise auf jeden Fall im Programm haben. Die Küstenstraße N 70 schlängelt sich rund um die Iveragh-Halbinsel im County Kerry und wird aus diesem Grund Ring of Kerry genannt. Einer der bekanntesten Fernwanderwege, der Kerry Way, umrundet ebenfalls die Iveragh-Halbinsel. Viel Zeit für den Ring of Kerry haben wir allerdings nicht. An einem Tag wollen wir sie umrunden. Für längere Besichtigungen und Wanderungen bleibt da kaum Zeit. Dennoch nehmen wir uns diese bei einem kurzen Besuch der wunderhübschen, typisch irischen, Kleinstadt Kenmare und einer ausgedehnten Mittagspause am Derrynane Beach im gleichnamigen Nationalpark am südöstlichen Zipfel der Halbinsel. Alles in allem ein schöner Tag mit kleinen Highlights auf dem Ring of Kerry.



Nun sind wir tief im Westen Irlands angekommen und freuen uns auf die Countys Clare und Galway.

Sicherlich haben wir viele Sehenswürdigkeiten auf dem Ring of Kerry verpasst. Wenn du welche kennst, würden wir uns freuen, wenn du diese mit uns teilst.
weitere spannende Wanderungen findest du auf unserer interaktiven Tourenseite →

