Ein Reisebericht von Volker Otter
Die Pawnee National Grasslands imponieren. Sie sind nicht vergleichbar mit irgendeinem anderen Teil der in dieser Reihe beschriebenen Landstriche. An klaren Tagen in Sichtweite der Rocky Mountains gelegen, erstreckt sich in zwei Blöcken ein Flickenteppich aus Privat-, Staats- und National Grassland, der seinesgleichen sucht. Im Gegensatz zu den weiter westlich gelegenen Präriegebieten geht die Mischgrasprärie hier im semiariden Regenschatten der Rocky Mountains in die Kurzgrasprärie über, hügeliges, fast baumloses Land, das dem Betrachter eine monumentale Monotonie entgegen schleudert, was zuweilen ambivalente Gefühle weckt. Ist dieses Land schön? Oder abstoßend? Oder eher befremdlich, gewöhnungsbedürftig?
Es ist schön und fremd, es ist abstoßend und monoton, es ist vielfältig in seinen Details, es ist heiß und trocken, es hinterlässt tiefe Eindrücke und doch ist man froh, es zu verlassen, um sich in der Erinnerung wieder zurückzusehnen. Es ist einen Abstecher wert, um sich ein eigenes Bild zu machen von diesem kargen Landstrich im Nordosten Colorados unweit der Metropole Denver, mitten im ländlichen Amerika und im Nirgendwo der weiten Prärien.

Wie alle National Grasslands sind die Pawnees aus der Not der Dreißigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts geboren. Land, das nie hätte gepflügt werden dürfen, wurde umgebrochen und in der großen Dust Bowl vom Winde verweht. Not, Elend und Hunger ließen die Menschen abwandern, die den großen Versprechungen gut organisierter Promotionsveranstaltungen der Eisenbahngesellschaften, pseudowissenschaftlichen agrartechnischen Gutachten und einigen regenreichen Jahren geglaubt hatten, um hier ihr Glück zu suchen, das in Sandverwehungen und fallenden Getreidepreisen ein tragisches Ende fand. Einst reiche Kleinstädte wie Keota oder Purcell verschwanden fast von der Bildfläche und sind bedeutungslos geworden.
Heute erinnern nur noch vereinzelte Ansammlungen dahinvegetierender Cottonwoodbäume an die Menschen, die hier einst ihr Glück suchten und diese Bäume pflanzten, um sich vor den im Sommer heißtrockenen und im Winter eiskalten Winden zu schützen. Aus dem, was die Menschen in ihrer Not hinterließen, sind heute die beiden Blöcke der Pawnee National Grasslands mit einer Größe von 77.224 ha geworden, eine einsame heiße Kurzgrassteppe, die im späten Frühjahr in einem Meer aus rosa und gelben Kaktusblüten erblüht und besonders Vogelfreunde rund um die Pawnee Buttes jedes Jahr aufs Neue in ihren Bann zieht, Land, das sich von den vor einhundert Jahren geschlagenen Wunden erholt.

Aktivitäten:
Eine der Hauptaktivitäten ist das Beobachten von Vögeln (bis zu 200 verschiedene Arten). Mountainbiking entlang der Grasslandsstraßen gewinnt an Popularität. Wandern hingegen ist eine eher ausgefallene, wenn auch lohnenswerte Aktivität zu sein. Bei allen Aktivitäten ist man mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Zutritt zu Privatland ist nur mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Eigentümer gestattet. Die Pawnee Buttes im Ostblock können z.T. über einen Wanderpfad erkundet werden. Achtung, feste Lederstiefel sind ein „Muss“ aufgrund der unzähligen stacheligen Kakteen.
Zugang:
Der einfachste Zugang ist über den Highway 14, der bei Fort Collins vom Interstate Highway 25 nach Osten oder bei Sterling vom Interstate 76 nach Westen abgeht.
Informationen und Campingplätze:
Gerade für einen Aufenthalt in den Pawnees benötigt man zumindest die Offizielle Grasslands Karte. Diese bekommt man in diversen Geschäften in Denver oder beim District Ranger in Greeley oder in Fort Collins bei der Arapaho and Roosevelt National Forests Visitor Information.
In den Pawnees gibt es einen einfach gehaltenen Campingplatz, die Crow Valley Recreation Area, in der Nähe von Briggsdale. Man erreicht ihn über den Highway 14 . Der Platz ist landschaftlich sehr schön unter Cottonwoodbäumen am Crow Creek gelegen, der einer Vielzahl von Vögeln, kleinen und großen Säugetieren, aber leider auch unzähligen Mücken Unterschlupf und Brutstätte gewährt. Der Platz hat keinen sicheren Trinkwasseranschluss. Der Campingplatz ist ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen der Pawnees. In Briggsdale gibt es einen kleinen Laden, in dem man Kleinigkeiten kaufen kann.
Informationen im Internet
On the Road Geschichte: Im Land verschwinden
Die Prärie ist hier rauer. Aufgeplatzter Schlamm am Grund der Rinne, wo vor Monaten im Frühjahr das Regenwasser geflossen ist. Auf den Hügeln wachsen Yucca, Grasbüschel, ein wenig Salbei und überall die kleinen Kakteen. Die Stiefel sind gespickt mit scharfen, spröden Stacheln. Wehe dem, der hier mit leichtem Schuhwerk sein Glück versucht. Hin und wieder leuchtet eine verspätete Kaktusblüte und birgt die Erinnerung an das Blütenmeer des späten Frühjahrs in sich. Ein Schatten huscht über die Kuppe, gerade langsam genug, um für einen Augenblick einen Coyoten zu erkennen, bevor er in einer Senke verschwindet. Ganz weit im Hintergrund türmen sich die Rocky Mountains im dunstigen Licht auf. Im Talgrund ein Windrad, das das spärlich vorhandene Wasser an die Oberfläche pumpt, umlagert von Kühen und urtümlichen Bullen mit gigantischen Anhängseln.

Unweit davon eine Gabelhornantilope. Auf der Suche nach dem kostbaren Nass umkreist sie die Kühe und die Wasserlache, versucht unmerklich näher zu kommen, zieht ihre Kreise enger, um ein auf das andere Mal von den Rindern verjagt zu werden. Endlich eine Lücke, ein Moment, nur Sekunden, hastige Schlucke und dann die Flucht. In Sichtweite bleibt sie stehen. Warten auf die nächste Chance. Wir wandern weiter, verschwinden in den weiten Senken und Hügeln und der flimmernden Hitze, ziehen von Windmühle zu Windmühle, damit uns das Land nicht verschluckt.
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