Ein Reisebericht von Volker Otter
Wer sich auf den Spuren der Geschichte durch Amerika bewegen möchte, den werden diese in mehrfacher Hinsicht abseits der ausgetretenen Pfade in den Fort Robinson State Park in das touristisch ansonsten eher unauffällige und vielleicht deshalb gerade sehenswerte Nebraska führen.
Die wechselvolle Geschichte von Fort Robinson
Die Geschichte Fort Robinsons als Militärstützpunkt ist eine sehr wechselvolle. 1874 gegründet, um die ansässigen Stämme und die nach dem Vertrag von Laramie eingerichtete Red Cloud Agentur am White River zu kontrollieren, fanden hier zwei besonders bittere Kapitel US-amerikanischer und indianischer Geschichte statt: die Kapitulation von Crazy Horse und seiner des Kämpfens und Hungerns müden fast tausendköpfigen Gruppe aus Lakota- und Cheyenne-Indianern, seine anschließende Ermordung, der Ausbruch der Nördlichen Cheyenne nach einem Jahr des Leidens, Hungerns und Sterbens im Indianer-Territorium in Oklahoma und der anschließenden verzweifelten Flucht zurück nach Norden. Auf dem Gelände des heutigen State Parks in unmittelbarer Nähe des angenehmen Campingplatzes wurde das Blut unschuldiger Menschen vergossen. Diese Tatsache im Blick zu behalten hilft, diesen Ort sensibel wahrzunehmen.

Während des zweiten Weltkrieges bis 1946 diente Fort Robinson als Kriegsgefangenenlager für deutsche Soldaten. Eine Ausstellung bietet Einblicke in das Leben deutscher Kriegsgefangener inmitten der weiten Prärien Nebraskas. 1949 wurde der Militärstützpunkt Fort Robinson aufgelöst.
Die erste Parzelle Land für den entstehenden State Park wurde 1955 gekauft. Bis heute hat sich der Park zusammen mit der Soldier Creek Wilderness auf knapp 12.000 ha vergrößert. Der Fort Robinson State Park bietet insofern zusammen mit der Soldier Creek Wilderness eine Fülle geschichtlicher Spuren, eingebettet in die üppigen Prärien des White River Valleys.
Zusammen mit der Soldier Creek Wilderness, die zur Zeit der militärischen Nutzung Fort Robinsons als Weideland, zur Deckung des Brennholzbedarfes und zu Freizeitzwecken (Casino) genutzt wurde, ist hier ein vielfältiger Lebensraum unter Schutz gestellt worden, der 1989 wesentlich durch das große Fort Robinson Feuer geprägt wurde, bei dem insgesamt 19.200 ha Prärie- und Waldland verbrannten. Während auf dem Gelände des State Parks ein zehnjähriges Aufforstungsprogramm durchgeführt wurde, sollt sich die Natur innerhalb der Soldier Creek Wilderness aus sich selbst heraus regenerieren. Begleitende Vergleichsstudien sollen helfen, die Rolle des Feuers im Ökosystem der Prärien noch besser zu verstehen. Whitetail- und Muledeer, Wapitis, Bighorns, Truthahn, Coyoten, Waschbären, Adler, Luchse und Berglöwen haben hier ihre Heimat und Rückzugsort gefunden.
Für Reisende, die bereit sind, sich mit geschichtlicher Bürde und natürlicher Schönheit in einem Wechselspiel konfrontieren zu lassen, kann der Fort Robinson State Park zusammen mit der Soldier Creek Wilderness zu einem lebendigen und erfahrungsreichen Ort werden.

Aktivitäten:
Sowohl der Fort Robinson State Park als auch die Soldier Creek Wilderness bieten gute Möglichkeiten für kurze oder ausgedehnte Tageswanderungen. Einige Wege sind für Reiter freigegeben. Auch Mountainbiker kommen hier auf ihre Kosten. Darüber hinaus lohnt es sich, von hier aus Ausflüge zu äußerst lohnenswerten Zielen der Umgebung zu unternehmen :
Oglala National Grasslands und Toadstool Park mit seinen Badlandsformationen
Museum of the Fur Trade in Chadron mit einzigartigen Ausstellungsstücken zum frühen Tauschhandel
Nebraska National Forest und Chadron State Park
Agate Fossil Beds National Monuments
Zugang:
Der Highway 20 führt durch den Park. Von ihm gehen alle Zugangswege zu den o.g. Ausflugszielen ab. Der nächste Ort mit Einkaufsmöglichkeiten ist Crawford direkt außerhalb des State Parks.
Informationen und Campingplätze:
Informationen und Kartenmaterial bekommt man am besten in Chadron direkt im Büro des Forest Service. Im Visitor Center des Fort Robinson State Parks lässt man sich für Übernachtungen auf dem schön gelegenen Campingplatz registrieren. Im Hauptgebäude gibt es Ausstellungen zur Geschichte des Forts und ein Restaurant. Aktuelle Wanderinformationen und Karten sind u.U. nur schwer zu erhalten. Für Reiter gibt es einen Campingplatz am Eingang zur Soldier Creek Wilderness, der einfach ausgestattet und sehr ruhig gelegen ist.
Informationen im Internet
Nebraska National Forests and Grasslands
On the Road Geschichte: Gerda, wie sehen Deutsche aus?
Was habe ich heute für ein Glück gehabt. Ich bin früh aufgestanden, habe mich artig an die Straße gestellt, bin mit einem netten Menschen in seinem Auto nach Hot Springs gekommen. Manchmal ist es eigenartig, allein unterwegs zu sein, manchmal fast einsam, und immer dann passiert etwas, so dass ich nie einsam bin. Ich bekomme einen Kaffee spendiert und genieße den Duft von frisch gebrühtem Espresso und Aroma-Sirup und das Wohlgefühl einer Zimtrolle, dem Inbegriff amerikanischer Backkunst. Am besten ist der warme Duft in den frühen Morgenstunden, wenn man an der Backstube vorbei zieht, um zur Busstation oder zur Straße zu kommen.
Mein voller Bauch mahnt mich, die geschwundenen Vorräte in meinem Rucksack im Supermarkt wieder aufzufüllen, meine Schultern, nur das Nötigste in den großen Einkaufswagen zu legen. Und dazu kommt noch eine Tüte reifer Aprikosen. Vor dem Supermarkt stehe ich und kaue Aprikosen, versuche die Distanz zum Mülleimer zu vergrößern und einen Weitspuck-Treff-Rekord aufzustellen.
Ich bin ganz zufrieden, obwohl ich noch gar nicht so genau weiß, wie es weitergehen soll. Wie um Gottes Willen soll ich zur Red Cloud Indian Mission School mit der Ausstellung indianischer Künstler ein paar Meilen westlich von Pine Ridge gelangen, ohne ein eigenes Auto und von dort wieder zurück und weiter nach Süden zum Fort Robinson State Park. Solche Gedanken plagen mich ein wenig, aber nicht wirklich, weil es bisher immer eine Lösung gegeben oder sich ganz plötzlich neue Ziele ergeben haben.
„He, Du bist doch aus Deutschland?!“ „Wie bitte? Ja, ich bin Deutscher, hallo, Sie auch?“
Gerda – die Deutsche Amerikanerin
Sie lädt mich in ihren Pick Up. Ich sah so aus, als ob. Wie sieht ein Deutscher aus? Sie weiß es nicht, war aber selbst mal eine. Vielleicht deshalb. Nach dem Krieg ist sie hierhergekommen, hatte in der amerikanischen Nachkriegsverwaltung gearbeitet, einen netten Mann kennengelernt und einen anderen hier geheiratet. Der ist auf und davon. Heute ist Gerda Amerikanerin.
In die Reservation? Trampen? Viel zu gefährlich. „Ich fahre Dich hin, und dann kommst Du wieder mit und kannst bei mir übernachten, morgen sehen wir weiter.“ Ein Bett, eine Dusche, ein Haus, das schlage ich nicht aus.
Ist es nicht eigenartig, so plötzlich herzlich gefunden und versorgt zu werden? Ich frage mich immer wieder, wie Deutsche wohl aussehen. Es wäre so ein Gefühl gewesen, sagt sie. Abends gucken wir einen deutschen Sender über die Schüssel auf dem Dach, ich trinke ein deutsches Bier dabei, das sie von ihrem letzten Familienbesuch mitgebracht hat. Wir reden und reden über ihr Leben, über mein Leben, draußen weiden die Pferde und grummeln die Hunde unter einem warmen und klaren Sternenhimmel.
Ich schlafe in einem richtigen Bett mit frisch duftender Bettwäsche und freue mich auf morgen, weil ich weiß, dass es weiter geht und immer noch nicht genau weiß, was es ausmacht, als Deutscher ohne Worte erkannt zu werden.
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