Fernwanderwege in Deutschland – durch das Mainviereck auf dem historischen Maintalhöhenringweg

Nachdem wir schon nahezu alle Fernwanderwege des Spessarts gelaufen sind,

Spessartweg 1  Spessartweg 2  Spessartweg 3  Eselsweg  Birkenhainer Landstraße  Mainwanderweg  Hasenstabweg  Spessartbogen

ist es für mich eine Herausforderung neue Wanderwege in der Heimat zu finden, die wir noch nicht gewandert sind. Umso glücklicher war ich, als ich eines Tages im Internet auf einen Wanderweg im Spessart stieß, den es offiziell zwar nicht mehr gibt, der aber noch in Wikipedia beschrieben wird, und – noch besser – für den es im Internet GPS-Daten gibt.

Ein idealer Wanderweg vor der Haustüre, mit dem man die triste Herbst- und Winterzeit in der Heimat mit Tagestouren überbrücken kann, bevor es im Frühling wieder auf längere und weiter entfernte Touren geht. Machen wir uns also auf Entdeckertour eines historischen Fernwanderweges, der nicht mehr existiert, der aber gerade deshalb auf mich eine eigenartige Faszination ausübt.

Wandern auf dem Maintalhöhenringweg

Vergessene Wanderwege – das Entdecken eines Fernwanderweges, den es nicht mehr gibt – der Maintalhöhenringweg

Markierung des MaintalhöhenringwegsDer Maintalhöhenringweg folgt dem Flusslauf des Mains von Aschaffenburg nach Gemünden am Main. Der Wanderweg gilt als historisch, da er vom Wanderverband „Spessartbund“ nicht mehr betreut wird. Die knapp 160 km lange Strecke verläuft entlang des südlichen Spessartwaldes und größtenteils entlang der Grenze zwischen den beiden Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg. Die Markierungen des Maintalhöhenringweg, ein schwarzes R auf weißem Grund, wurden zum größten Teil entfernt. Trotzdem findet der aufmerksame Wanderer immer noch zahlreiche Markierungen an Bäumen, auf Straßenschildern oder Steinen, die wahrscheinlich vergessen wurden zu entfernen. So entwickelte sich unsere Wanderung auf dem Maintalhöhenringweg zu einer spannenden Suche nach dem schwarzen R, der Kennzeichnung des Wanderweges, der in unserer Jugend nur als R-Weg bekannt war.

Warum der Maintalhöhenringweg nicht mehr betreut wird ist mir nicht bekannt. Ich vermute, es liegt daran, dass der Maintalhöhenringweg auf weite Strecken identisch mit dem weitaus bekannteren und viel längeren Mainwanderweg ist. Dieser über 500 km lange Fernwanderweg wird auf seinem Verlauf durch den Spessart ebenfalls vom Spessartbund betreut. Dennoch ist die Streckenführung des Maintalhöhenringwegs auf einigen Etappen nicht identisch mit dem großen Mainwanderweg, sondern hat eine eigene, und aus meiner Sicht, viel spannendere Wegeführung, die entlang des Untermains über die Höhenzüge des Spessarts führt, und nicht wie der Mainwanderweg, der sehr häufig im Tal verläuft. Somit ist der Maintalhöhenringweg auf weite Strecken anspruchsvoller als der Mainwanderweg.

Die Anreise zum historischen Maintalhöhenringweg

Der Maintalhöhenringweg besitzt eine sehr gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, und das gilt nicht nur für den Start- und Endpunkt des Fernwanderweges. So kann man sich den Maintalhöhenringweg – so wie wir das getan haben – in Tageswanderungen sehr gut erwandern. Der Startpunkt Aschaffenburg und der Endpunkt Gemünden am Main liegen beide auf der regionalen Bahnstrecke zwischen Würzburg und Frankfurt, und sind im Stundentakt erreichbar.

Der Maintalhöhenringweg
Der Maintalhöhenringweg folgt vielen regionalen Wanderwegen

Übernachtungsmöglichkeiten und Sehenswertes auf dem Maintalhöhenringweg

Der Maintalhöhenringweg bietet eine ausgesprochen gute Logistik für Wanderer, die gerne im Zelt übernachten. Campingplätze liegen flächendeckend auf der knapp 160 km langen Strecke, sodass man jede Nacht auf einem Campingplatz verbringen kann. Jedoch auch feste Unterkünfte sind entlang des Untermains zwischen Aschaffenburg und Gemünden sehr zahlreich vorhanden. Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants gibt auf dem Maintalhöhenringweg ebenfalls sehr viele. Notfall- oder Tagesproviant sollte man dennoch immer dabeihaben.

Der Maintalhöhenringweg ist reich an Sehenswürdigkeiten für Jung und Alt. Schlösser, Burgen, zahlreiche Burgruinen, romantische Kirchen und Klosteranlagen liegen auf der Strecke des Maintalhöhenringwegs verteilt. Für Familien interessant: Der Maintalhöhenringweg bietet auf seiner kompletten Strecke erstaunlich viele schöne Schwimmbäder, die in dieser Fülle selten auf einem Fernwanderweg zu finden sind.

Wandern auf dem Maintalhöhenringweg
Herbst- und Winterwandern auf dem Maintalhöhenringweg

Unsere Wanderungen auf dem Maintalhöhenringweg

Wir sind den Maintalhöhenringweg über die Herbst- und Wintermonate in Tagesetappen gelaufen. Wie schon erwähnt, ist die Anbindung per Bahn und Bus über die gesamte Strecke sehr gut, weshalb der Maintalhöhenringweg auch für Tagestouren bestens geeignet ist.

Etappe 1 von Aschaffenburg nach Kleinwallstadt/Elsenfeld – 20,3 km

Wie häufig auf unseren Touren beginnen wir unsere Wanderung am Stadtrand, in diesem Fall von Aschaffenburg. Wer die Stadt noch nicht kennt, dem können wir das Schloss Johannisburg und die Basilika St. Peter und Alexander als Sehenswürdigkeit empfehlen, bevor man sich auf den Weg macht. Der Maintalhöhenringweg führt gleich zu Beginn nicht entlang des Mains, sondern östlich des Mains über die Hügel des Obernauer- und Hutmannswald. Der Weg führt neben dem Mainwanderweg über die verschiedensten regionalen Wanderwege. Das schwarze R sieht man auf der ersten Etappe so gut wie nicht. Am Plattenberg verlassen wir den Maintalhöhenringweg und laufen über Kleinwallstadt zur Bahnstation nach Elsenfeld.

Etappe 2 von Elsenfeld nach Klingenberg – 19 km

Bei Elsenfeld steigen wir wieder in den Maintalhöhenringweg ein, und müssen erst einmal ein paar Kilometer zusätzlich laufen, bevor wir bei Hofstetten wieder auf den Wanderweg treffen. Der Maintalhöhenringweg führt abermals nicht direkt entlang des Mains, sondern über die Höhenzüge des südlichen Spessarts. Auf dieser Etappe gibt es einige Höhenmeter zu überwinden. Hier entdecken wir auch zum ersten Mal Wegzeichen des Maintalhöhenringweges (das schwarze R), bei denen das Entfernen nicht vollständig geklappt hat, oder die teilweise ganz vergessen wurde. Die Wanderung entwickelt sich für mich zur Suche nach dem verschwundenen R, was sich so anfühlt wie die Suche nach einem verlorenen Schatz. Über das Waldgebiet Heinrichtshöhe und Platte gelangen wir zur Burgruine Klingenburg und zu unserem Etappenziel nach Klingenberg am Main. Die schöne Altstadt von Klingenberg liegt eingerahmt zwischen Weinbergen und dem Flusslauf des Mains, und ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Es gibt zahlreiche feste Unterkünfte und einen Campingplatz am Mainufer.

Das schwarze R
Das schwarze R, gefunden bei Klingenberg

Etappe 3 von Klingenberg nach Freudenberg/Kirschfurt – 24 km

Weiter geht es für uns von Klingenberg über Großheubach nach Freudenberg/Kirschfurt. Zunächst folgt der Maintalhöhenringweg dem Mainwanderweg über den Busigberg nach Großheubach. Es geht zwar kontinuierlich, aber erträglich, bergauf. Vor Großheubach genießt man einen schönen Blick in das Maintal und auf den gegenüberliegenden Hügel auf dem die Klosteranlage Engelberg thront. Über diese kürzen wir die Mainschleife etwas ab und folgen zunächst gemächlich auf niedriger Höhe dem Main nach Norden. Vor Kirschfurt schlägt der Maintalhöhenringweg einen mächtigen Haken auf die Höhen des Spessarts hinauf, und entfernt sich weit vom Maintal. Hier folgt der historische Wanderweg wieder keinem regionalen Wanderweg mehr. Über den Burgberg erreichen wir unser Etappenziel Kirschfurt. Hier gibt es wieder einen Bahnanschluss, der uns nach Hause bringt. Zum Übernachten bietet sich die Gemeinde Freudenberg auf der anderen Mainseite an. Es gibt mehrere Unterkünfte und einen Campingplatz am See.

Am Untermain bei Klingenberg
Der Maintalhöhenringweg bietet immer wieder schöne Ausblicke, wie hier bei Großheubach

Etappe 4 von Freudenberg/Kirschfurt nach Faulbach – 18 km

Kirschfurt liegt nicht direkt auf dem Maintalhöhenringweg. Der Wanderweg führt eigentlich ab dem Burgberg wieder nach Norden oberhalb des Mains. So müssen wir bei unserer nächsten Etappe wieder ein paar Kilometer mehr laufen, die ich hier bei der Kilometerangabe nicht berücksichtigt habe. Der Wanderweg führt hinter Kirschfurt oberhalb eines Steinbruchs in die nächste Gemeinde Collenberg. Dieser Wanderweg folgt wieder einmal keiner Beschilderung und ist daher stark überwuchert, weil er wohl selten begangen wird. Ein schöner und spannender Wanderweg, wie ich finde. In Collenberg verlässt der Maintalhöhenringweg seine Höhe und führt im Tal durch die Gemeinde Collenberg (Hier gibt es den nächsten Campingplatz). Hinter Collenberg folgt ebenfalls ein schöner Abschnitt des Maintalhöhenringwegs. Zunächst flach führt der Wanderweg oberhalb der Landstraße aus Collenberg hinaus. Zur Burgruine Collenberg steigt der Wanderweg wieder an und führt über die Höhenzüge des Spessarts nach Dorfprozelten. Weiter geht es abseits des Mains über die Hügel in den Spessart hinein. Auf dieser Etappe folgt der Wanderweg seiner ursprünglichen Wegeführung des Maintalhöhenringwegs und nicht wie so oft dem Mainwanderweg. Auch dieser Abschnitt zwischen Dorfprozelten und Faulbach finde ich persönlich sehr schön. In Stadtprozelten führt der Maintalhöhenringweg über die nächste Burgruine (Henneburg), welche zu den schönsten Burgruinen des unteren Maintals zählt. Der Wanderweg nach Faulbach ist bei diesem schönen Herbsttag, den wir haben, eine Augenweide. Von Faulbach aus kommen wir wieder bequem mit dem Zug nach Hause. Unterkünfte gibt es in der nächsten Gemeinde Hasloch und Kreuzwertheim, den nächsten Campingplatz im 13 km entfernten Wertheim (es gibt gute Busverbindungen nach Wertheim).

Burgruine Henneburg
Die Burgruine Henneburg liegt auf dem Maintalhöhenringweg

Etappe 5 von Faulbach nach Lengfurt – 24 km

Die Etappe 5 ist eine der weniger schönen Etappen des Maintalhöhenringwegs. Zunächst verläuft der Wanderweg noch recht schön entlang des Mains nach Kreuzwertheim. Hinter Kreuzwertheim führt der Maintalhöhenringweg schnurstracks auf einem breiten Forstweg durch den Eichwald und kürzt so die enge Mainschleife zwischen Wertheim und Bettingen ab. Danach führt der Wanderweg über Felder, meist mit Solaranlagen, auf die Höhe nach Rettersheim. Von dort muss man direkt auf der Landstraße wieder ins Maintal wandern. Einzige Sehenswürdigkeit auf dieser Etappe ist das Kloster Triefenstein, und für Familien mit Kindern ein sehr schöner und weitläufiger Spielplatz am Mainufer in Lengfurt. Der Ort verfügt über feste Unterkünfte in Form von Ferienwohnungen und einen schönen und empfehlenswerten Campingplatz.

Der Maintalhöhenringweg bei Faulbach
Der Maintalhöhenringweg bei Faulbach

Etappe 6 von Lengfurt nach Lohr am Main – 27 km

Der Maintalhöhenringweg wird auf der Etappe von Lengfurt nach Lohr seines Namens nicht gerecht, da der Wanderweg hier nicht über die Höhen des Spessarts führt, sondern im Tal entlang des Mains. Von Lengfurt nach Marktheidenfeld führt der Maintalhöhenringweg in niedriger Höhe unterhalb des Dillbergs nach Marktheidenfeld. In der Ortschaft geht es noch einmal bergauf über die niedrigen Hügel östlich des Mains und anschließend parallel zur Staatsstraße 2438 nach Zimmern. Die letzten 15 km nach Lohr am Main führt der Maintalhöhenringweg direkt entlang des Mains auf einem geteerten Radweg. Auf dieser Etappe ist es reizvoller auf der anderen Mainseite über den Mainwanderweg zu laufen, der zumindest etwas weiter abseits von geteerten Straßen nach Lohr führt. Die Schneewittchenstadt Lohr am Main bietet ein sehenswertes Schneewittchenmuseum im Lohrer Schloss, eine reizvolle Altstadt und ein schönes Freibad. Es gibt zahlreiche Unterkünfte und einen Campingplatz.

Etappe 7 von Lohr a. Main nach Gemünden am Main – 22 km

Auf der letzten Etappe des Maintalhöhenringwegs gibt es den ersten und einzig nennenswert anstrengenden Anstieg des Fernwanderwegs. Der Wanderweg führt, begleitet von erstaunlich vielen R-Markierungen, auf einem nicht enden wollenden Anstieg auf die 536 m hohe Sohlhöhe. Vom Speicherpumpkraftwerk aus genießt man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick in den nördlichen Spessart, und sogar bis in die Rhön. Von der Sohlhöhe geht es gleich wieder bergab ins Sindersbachtal, um anschließend wieder auf den nächsten Berg zu führen, der allerdings nur halb so hoch ist. Über die Zollbergstraße, welche auch die Birkenhainer Straße ist, gelangt man wieder zurück an den Main. Die letzten 5 km auf dem Maintalhöhenringweg führen nur noch im Tal durch die Drei-Flüsse-Stadt Gemünden zum dortigen Bahnhof. Gemünden gilt als das Tor zum Spessart und Rhön und kann schon wieder mit einer schönen Burgruine aufwarten.  Nach über 150 km stellen wir rückblickend fest, dass die Burgruinendichte auf dem Maintalhöhenringweg außerordentlich hoch ist. Neben zahlreichen Unterkünften, gibt es in der Stadt ein schönes Schwimmbad und wieder einen Campingplatz.

Der Maintalhöhenringweg
Der Maintalhöhenringweg ist eine empfehlenswerte Wanderung

Unser Fazit zum Maintalhöhenringweg

Nochmals sei erwähnt, dass der Maintalhöhenringweg kein ausgewiesener Wanderweg mehr ist. Eine Markierung ist nur noch sporadisch vorhanden. Der Maintalhöhenringweg folgt auf seinen sieben Etappen verschiedenen – noch bestehenden – Fernwanderwegen, wie z.B. dem Marienweg, dem Fränkischen Rotwein Wanderweg oder dem Mainwanderweg. Wer diesen Wanderweg dennoch gerne laufen möchte, dem empfehle ich diese beiden Webseiten, auf denen man die GPS-Daten des historischen Maintalhöhenringweg herunterladen kann.

Outdooractive

GPS Wanderatlas

Abschließend möchte ich erwähnen, dass wir den Maintalhöhenringweg wirklich empfehlen können. Die Infrastruktur für Wanderer – vor allem für Wanderer mit Zelt – ist auf der 152 km langen Strecke außerordentlich gut. Das Mainviereck, über den der Fernwanderweg verläuft, kann mit vielen kleinen Sehenswürdigkeiten aufwarten und ist auch für Familien mit Kindern, aufgrund der vielen Schwimmbäder und Spielplätze am Wegesrand, sehr gut geeignet. Was den Schwierigkeitsgrad betrifft, so ist der Maintalhöhenringweg aus unserer Sicht ein einfacher Wanderweg, der zwar immer wieder über die Höhen des Spessarts führt, aber in seiner Gesamtheit technisch nicht sehr anspruchsvoll ist. Man muss sich auch nicht an unsere Etappenaufteilung halten, sondern kann den Wanderweg, durch seine hohe Dichte an Unterkünften, sehr individuell gestalten.

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